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Zurück an den Herd? Wie der Tradwife-Trend alte Rollenbilder neu verkauft

Zurück an den Herd? Wie der Tradwife-Trend alte Rollenbilder neu verkauft Zurück an den Herd? Wie der Tradwife-Trend alte Rollenbilder neu verkauft
Das Leben als Hausfrau kann erfüllend sein – aber es ist kein Ideal (Foto: Getty Images)

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Der Tradwife-Trend zeigt, wie schnell ästhetisierte Rollenbilder gesellschaftliche Rückschritte als Lifestyle verkaufen können

Als Anne Hathaway sich die Rechte an der Verfilmung des Buches „Yesteryear“ sicherte, war das kein gewöhnlicher Buch-zu-Film-Deal. Der Roman von Caro Claire Burke trifft einen kulturellen Nerv. Er erzählt von einer Influencerin, die ein perfektes „Tradwife“-Leben inszeniert – also das Leben als traditionelle Hausfrau. Plötzlich wacht sie im 19. Jahrhundert auf, wo die „Tradwife“- Ideale zur brutalen Realität werden. Die Geschichte wirkt wie eine überspitzte Fiktion, doch ihr Erfolg deutet auf etwas anderes hin: Das Phänomen der „Tradwives“ ist längst in der Gegenwart angekommen und weit mehr als ein Social-Media-Trend.
Der Begriff „Tradwife“ (kurz für „traditional wife“) beschreibt Frauen, die ein bewusst konservatives Rollenbild propagieren: Ehe, Mutterschaft und häusliche Fürsorge als zentrale Lebensaufgabe. Auf Plattformen wie TikTok oder Instagram wird dieses Leben oft besonders ästhetisch inszeniert. Das prominenteste Beispiel: das deutsche Model Nara Smith, das auch mal – in Couture gekleidet – die Cornflakes der Kinder „from scratch“ herstellt.

Doch genau hier liegt der Kern des Problems: Diese Darstellung ist eine kuratierte Performance. Diesen Widerspruch greift auch „Yesteryear“ auf. Die Protagonistin lebt zunächst in einer idealisierten Version traditioneller Weiblichkeit, bis sie gezwungen ist, die historischen Bedingungen tatsächlich zu erleben. Harte körperliche Arbeit, fehlende medizinische Versorgung und patriarchale Abhängigkeit sind eben nicht glamourös und erstrebenswert.
Die „Tradwife“-Ästhetik funktioniert deshalb ähnlich wie andere Retro-Trends: Sie pickt sich visuell ansprechende Elemente heraus und blendet systematisch die strukturellen Realitäten aus. Doch dass es jetzt scheinbar wieder cool ist, eine Hausfrau zu sein, ist kein Zufall. Wir leben in einer Zeit, in der insbesondere Frauen unter Überforderung leiden: Doppelbelastung, Care-Arbeit, ökonomischer Druck. Die Tradwife-Inszenierung bietet eine einfache und bequeme Antwort. Es gibt klare Rollen und eine vermeintliche Sicherheit. Doch das verschiebt leider nur strukturelle Probleme in individuelle Entscheidungen, statt wirklich gesellschaftliche Veränderungen und Lösungen für die Mehrfachbelastung von Frauen zu fordern.

Natürlich können Frauen selbst entscheiden, ob sie ein Leben als Hausfrau führen wollen – das ist ihr gutes Recht. Problematisch wird es dort, wo diese Lebensweise als überlegen, „natürlicher“ oder moralisch richtiger dargestellt wird und wenn man ignoriert, dass sie Risiken – oft durch die Abhängigkeit vom Partner – birgt. Der Tradwife-Diskurs ist nicht neutral. Seine Ursprünge sind eng mit antifeministischen Bewegungen verknüpft und wurden teilweise gezielt als Gegenentwurf zu Gleichberechtigungsidealen verbreitet. Damit wird aus einer persönlichen Entscheidung schnell ein politisches Statement.
Gerade deshalb sind kulturelle Auseinandersetzungen wie „Yesteryear“ wichtig. Sie zeigen, dass hinter der perfekt gefilterten Idylle oft eine unbequeme Wahrheit steckt: Die Vergangenheit, nach der sich manche sehnen, war für viele Frauen nie ein Ort der Freiheit.

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