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Wer fliegt, erlebt mitunter erstaunliche Szenen. Manchen Mitreisenden scheint es wenig auszumachen, dass sich andere Passagiere in unmittelbarer Geruchs-, Hör- und Sichtweite befinden. Auf engstem Raum verbringt man – bis zu zwölf Stunden lang – Zeit mit völlig Fremden, teilt sich eine Armlehne und wird unfreiwillig Zeuge höchst privater Gespräche.
Eine im Grunde immer leicht unheimliche Situation. Und nun dürfen unter Umständen auch noch große Hunde auf einem eigenen Sitz mitfliegen – als haarige, sabbernde Sitznachbarn. Hilfe.
Gerade im Flugzeug gilt: Wo die Privatsphäre des anderen beginnt, endet die eigene. Natürlich gibt es unterhaltsame und interessante Sitznachbarn. Meist merkt man jedoch schnell, ob jemand Ruhe möchte oder sich unterhalten will. Die anstrengendsten Momente erlebt man allerdings oft nicht während des Flugs, sondern beim Ein- und Aussteigen.
Kaum ertönt aus dem Cockpit das „All doors in park“, springen manche Passagiere auf, als säßen sie auf einem Nadelkissen. Gepäckfächer werden aufgerissen, Koffer hastig heruntergewuchtet – ganz gleich, ob darunter noch jemand steht oder den Kopf unter dem Fach hat. Besonders beliebt sind jene, die sofort nach Erlöschen des Anschnallzeichens fünf Reihen nach vorn stürmen, um ganze zehn Sekunden früher aus dem Flieger zu kommen.
Natürlich: Wer einen verspäteten Flug hatte und einen Anschluss erreichen muss, darf und soll zügig aussteigen. Das lässt sich jedoch auch freundlich ankündigen, statt Mitreisenden auf die Füße zu treten oder sich rücksichtslos nach vorn zu drängen.
Was mich besonders wundert: Wie selten Hilfe angeboten wird, wenn kleine, zierliche oder ältere Menschen schweres Handgepäck aus den Fächern über den Sitzen holen müssen. Selbst Männer, die mit ihrer Körpergröße gefühlt anderthalb Sitze beanspruchen, kommen nicht immer auf die Idee, kurz mit anzupacken. Ich könnte schreien, wenn ich so etwas sehe – hebe dann aber lieber selbst den Koffer der älteren Dame herunter. Mit meinen 1,80 Metern geht das zum Glück meistens problemlos.
Im Flugzeug kann man also vieles falsch, aber auch vieles richtig machen. Eine freundlich-neutrale Haltung, Aufmerksamkeit und ein wenig Rücksicht helfen – wie so oft im Leben – erstaunlich weit.