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Kaum ein Beauty-Trend hat TikTok zuletzt so geprägt wie die sogenannte „Abbey Yung Methode“. Millionen Views, beeindruckende Vorher-Nachher-Videos und eine fast schon ritualisierte Routine: Was auf den ersten Blick nach maximalem Aufwand klingt, trifft einen Nerv – den Wunsch nach gesünderem, glänzenderem und sichtbar vollerem Haar. Doch was steckt wirklich dahinter?
Mehr als nur eine Routine
Die Methode geht auf die US-amerikanische Influencerin und Haarspezialistin Abbey Yung zurück und ist im Kern ein Baukastensystem für individuelle Haarpflege. Statt eines starren Plans versteht sie ihre Routine als flexibles Konzept, das sich an Haarstruktur, Kopfhaut und persönliche Bedürfnisse anpassen lässt. Zwar ist häufig von einer „11-Step-Routine“ die Rede, tatsächlich geht es weniger um die Anzahl der Produkte als um ein neues Verständnis von Haarpflege: beobachten, anpassen, optimieren.
Das Prinzip: Pflege in Schichten
Im Zentrum der Methode steht die Idee, Haarpflege ähnlich differenziert zu betrachten wie Skincare. Die Routine gliedert sich grob in drei Phasen:
Vor der Wäsche: Hier kommen vorbereitende Treatments zum Einsatz – etwa reparierende Pflege oder Öle, die das Haar schützen und auf die Reinigung vorbereiten.
Während der Wäsche: Die richtige Reinigung ist essenziell. Je nach Bedarf wird zwischen klärenden und pflegenden Shampoos gewechselt, ergänzt durch Conditioner oder intensive Masken.
Nach der Wäsche: Leave-in-Pflege, Hitzeschutz und Stylingprodukte sollen das Haar versiegeln, schützen und gleichzeitig Volumen sowie Glanz unterstützen.
Ergänzt wird das Ganze durch Pflege zwischen den Haarwäschen – etwa leichte Seren oder Trockenshampoo.
Warum der Ansatz so gut funktioniert
Der Erfolg der Methode liegt weniger in einzelnen Produkten als im Perspektivwechsel: Weg von „ein Shampoo für alles“ – hin zu einer personalisierten Routine. Denn Haare haben unterschiedliche Bedürfnisse, die sich sogar im Laufe der Woche verändern können. Genau hier setzt die Methode an: Sie ermutigt dazu, genauer hinzusehen. Fühlt sich die Kopfhaut fettig an? Sind die Längen trocken? Fehlt Volumen? Diese Beobachtung wird zur Grundlage der Pflege. Auch Expert*innen sehen darin einen positiven Ansatz – zumindest in der Theorie. Denn hochwertige Pflege, gezielte Treatments und mehr Bewusstsein für die eigene Haarstruktur können tatsächlich zu gesünderem Haar führen.
Zwischen Effekt und Überforderung
So überzeugend die Ergebnisse auf Social Media wirken: Die vollständige Routine wird nicht von allen Expert*innen uneingeschränkt empfohlen. Der Kritikpunkt: Zu viele Produkte können das Haar eher belasten als verbessern. Produktablagerungen, ein Übermaß an Proteinen oder schlicht zu viel Pflege können langfristig das Gegenteil bewirken – stumpfes, schweres Haar statt Leichtigkeit und Glanz. Hinzu kommt der Zeit- und Kostenfaktor. Elf Schritte sind im Alltag für die wenigsten realistisch.
Der entscheidende Punkt: Individualität
Interessanterweise betont auch Abbey Yung selbst, dass ihre Methode nicht als starres System gedacht ist. Vielmehr gehe es darum, schrittweise herauszufinden, was dem eigenen Haar wirklich guttut – und neue Produkte langsam zu integrieren. Genau dieser Ansatz entspricht einem größeren Beauty-Trend: Personalisierung. Weg von One-size-fits-all, hin zu maßgeschneiderter Pflege, die sich an Lebensstil, Umwelt und individuelle Bedürfnisse anpasst.
Die Quintessenz: Weniger Schritte, mehr Verständnis
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus dem TikTok-Hype ist überraschend schlicht: Gesundes Haar beginnt nicht mit möglichst vielen Produkten, sondern mit den richtigen. Eine gut funktionierende Basis besteht oft schon aus wenigen, gezielten Elementen: ein gründlich reinigendes Shampoo, eine passende Pflege für die Längen und ein schützendes Leave-in. Alles darüber hinaus ist Feinschliff – kein Muss.