Fauxpas der Königsklasse: Schauspiel-Ikone Sophia Loren trug 1954 eine Tiara bei dem Eröffnungsdinner der Italian Film Festival Week in London – und traf dort zum ersten Mal auf die junge Queen Elizabeth II. Was die Diva nicht wusste: Bei solchen Anlässen ist das Tragen einer Tiara den Mitgliedern der Königsfamilie vorbehalten. Zum Glück nahm die Queen ihr den Verstoß nicht übel, die Presse der Fünfzigerjahre dafür umso mehr. Aber was ist das für ein exklusives Schmuckstück, das für so viel Furore sorgt? Tiara oder Diadem – egal, hauptsache Krönchen? So leicht ist das nicht.
Eine Tiara ist immer halbkreisförmig, offen und ragt vorne dank mehrerer Reihen in die Höhe oder formt eine Spitze. Sie kann in die Frisur eingearbeitet werden und wird immer mittig auf dem Kopf getragen. Die Tiara gehört zur Familie der Diademe; ein Diadem kann allerdings auch komplett geschlossen sein, wie eine Krone. Jede Tiara ist also ein Diadem, aber nicht jedes Diadem ist eine Tiara. Die Materialien sind klassischerweise Gold oder Platin, immer mit Diamanten oder anderen Edelsteinen verziert. Der Kopfschmuck wurde schon von den Herrschern Persiens, im antiken Rom und in Griechenland als Statussymbol getragen; der Name kommt auch aus dem Altgriechischen. Später trugen die Päpste dreireihige Tiaren, im Mittelalter oft aus dem geraubten Gold der Kreuzzüge. Diese Tradition hielt sich jahrhundertelang, bis Papst Paul VI. sie 1964 ablegte, um symbolisch auf die weltliche Macht zu verzichten.
In den 1930ern kam es zur „Tiara Mania“. Cartier fertigte in keinem Jahr so viele Tiaren wie 1937; sie waren das It-Piece der Upperclass bei Bällen und Opern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Diademe fast nur noch zu offiziellen Empfängen und Galas getragen. Ihr Zauber aber blieb; Tiaren werden in den Königsfamilien Europas über Generationen weitergegeben. Queen Elizabeth II. (Lilibet) bekam zu ihrem 18. Geburtstag eine kleine Diamanttiara von ihrer Mutter, ebenfalls Elizabeth, geschenkt und trug bei ihrer Hochzeit mit Prinz Philip die „Girls of the Great Britain and Ireland“-Tiara von Garrard, die ihre Großmutter Mary of Teck 1893 zur Hochzeit mit dem späteren George V. bekam. Die „Girls of the Great Britain and Ireland“ strahlt bis heute – zuletzt im Haar von Königin Camilla.
Funkelnde Krönung: Die Geschichte der Tiara
Diamantsprühende Begleiterin der Reichen, Schönen, Adeligen – die Tiara. Alles über den kostbaren Kopfschmuck