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Es gibt kein Ausweichen mehr: Das Abnehmen mittels einer wöchentlichen Spritze ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Vor einigen Jahren noch war die Verblüffung groß, als auf einmal Stars wie Oprah Winfrey, Kim Kardashian oder Sharon Osbourne frisch erschlankt in der Öffentlichkeit auftraten. Woher auf einmal dieser neue Trend, dieser rapide Gewichtsverlust? Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Ozempic.
Das geheime Mittelchen fürs Abnehmen in kürzester Zeit schien wie ein Wunder, das schaffte, was schon lange erfolglos von der Pharmaindustrie angestrebt wurde – nämlich ein potentes Diät-Mittel auf den Markt zu bringen, das tatsächlich hält, was es verspricht. Dabei war das zunächst gar nicht Sinn und Zweck von Ozempic. 2018 wurde es als Medikament gegen Diabetes Typ 2 herausgebracht, bis sich eben mit der Zeit zeigte, dass es nicht nur den Blutzuckerspiegel stabilisieren kann, sondern eben auf Dauer auch die Pfunde purzeln lässt. Seit 2022 ist es offiziell auch als Mittel gegen Adipositas zugelassen – hier jedoch in höheren Dosen.
Wie die Abnehmspritze im Körper wirkt
Das Mittel, das man sich per Spritze selbst einmal in der Woche verabreicht, enthält den Wirkstoff Semaglutid, welcher dem Hormon Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) gleicht. Dieses kommt natürlicherweise im Darm vor und wird nach der Nahrungsaufnahme ausgeschüttet. Somit signalisiert man dem Gehirn „Ich bin satt“ schon bevor man überhaupt mit dem Essen beginnt.
Außerdem entschleunigt sich der Vorgang der Magenentleerung, was ebenfalls zu einem länger anhaltenden Sättigungsgefühl führt. Man isst weniger, denkt seltener ans Essen und Cravings nehmen deutlich ab. Die Folge ist eine schnelle Gewichtsabnahme – oft ganz ohne Workout-Routine oder langwierige Diät.
Tirzepatid: Die nächste Stufe der Abnehm-Forschung
2023 wurde mit dem Wirkstoff Tirzepatid die nächste Stufe in der Abnehm-Forschung erreicht. Tirzepatid imitiert nicht nur die Wirkung von GLP-1, sondern auch die eines weiteren Darmhormons, des glukoseabhängigen insulinotropen Peptids (GIP).
Diese Kombination verstärkt die Wirkung deutlich und macht Tirzepatid effektiver als Semaglutid. Allerdings liegen die Kosten mit rund 500 Euro pro Monat deutlich höher als die etwa 300 Euro für Semaglutid. Die hohen Preise führen dazu, dass fast die Hälfte der Patient*innen die eigentlich unbegrenzte Therapie vorzeitig abbricht.
Gewichtsverlust und zusätzliche gesundheitliche Vorteile
Bei dauerhafter Anwendung lassen sich pro Jahr zwischen 10 und 17 Kilogramm Körpergewicht verlieren – abhängig vom Wirkstoff, der Dosierung und dem individuellen Stoffwechsel. Darüber hinaus zeigen die Medikamente weitere positive Effekte: Sie senken das Risiko für Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wirken sich günstig auf die Nierenfunktion aus und beeinflussen das Belohnungssystem im Gehirn. Dadurch kann auch der Drang nach Nikotin, Alkohol oder anderen Suchtmitteln reduziert werden.
Doch die Abnehmspritze bringt nicht nur Vorteile mit sich. Besonders zu Beginn der Therapie kann es durch das schnelle Völlegefühl zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Viele Patient*innen berichten außerdem von Kopf- und Magenschmerzen.
Die Abnehmpille: Die neue, bequemere Alternative?
Diesen Nebenwirkungen entkommt man leider auch mit der neuesten Revolution im medizinischen Abnehm-Bereich nicht. Denn auch die Abnehmpille kann ähnliche Beschwerden verursachen. Dennoch bietet sie einige Vorteile:
Die tägliche Einnahme ist weniger aufwendig als das wöchentliche Spritzen, die Kosten sind geringer und die Dosierung lässt sich flexibler anpassen. Gerade bei auftretenden Nebenwirkungen ist eine feinere Dosierung möglich – etwas, das sich bei Spritzen deutlich schwieriger gestaltet.
Der US-Pharmakonzern Eli Lilly veröffentlichte kürzlich eine Studie zum neu entwickelten Wirkstoff Orforglipron. Adipöse Proband*innen mit Diabetes Typ 2 erhielten entweder das Medikament oder ein Placebo.
Nach etwa eineinhalb Jahren, kombiniert mit ausgewogener Ernährung und sportlicher Aktivität, verloren die Teilnehmenden rund zehn Prozent ihres Körpergewichts. In der Placebo-Gruppe waren es lediglich zwei Prozent. Zwar liegen diese Ergebnisse noch unter den 15–20 Prozent Gewichtsverlust durch Spritzenpräparate, doch durch die leichtere Anwendung und geringeren Kosten ist diese Therapie für deutlich mehr Menschen zugänglich.
Rybelsus: Das bisherige „orale Ozempic“
Bereits seit rund zwei Jahren ist mit Rybelsus eine Tablette mit dem Wirkstoff Semaglutid auf dem Markt. Sie erzielt mit fünf bis zehn Prozent Gewichtsverlust jedoch weniger eindrucksvolle Ergebnisse und ist in der Anwendung komplizierter.
So müssen strenge Einnahmeregeln beachtet werden, etwa 30 Minuten nach der Einnahme nichts zu essen. Zudem ist Rybelsus bislang nur für Patient*innen mit Diabetes Typ 2 zugelassen – nicht für die Adipositastherapie.
Fortschritt mit Verantwortung
Orforglipron könnte somit einen bedeutenden Fortschritt darstellen – der jedoch mit Vorsicht zu genießen ist. Denn auch ohne Spritze handelt es sich um einen starken medikamentösen Eingriff. Wie bei Abnehmspritzen gilt daher auch für die Pille: Eine regelmäßige ärztliche Begleitung und Kontrolle ist unerlässlich.