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Kuratiert aus Ausgabe April 2026
Lifestyle

Sängerin Mel C über ihre Heimat, das Vereinigte Königreich

Sängerin Mel C über ihre Heimat, das Vereinigte Königreich Sängerin Mel C über ihre Heimat, das Vereinigte Königreich
Sie kann auch ohne Trainingsanzug: Mel in der Dior-Kampagne, die ihr Freund Jonathan Anderson, der neue Creative Director des Hauses, ihr auf den Leib geschneidert hat. (Foto: Heikki Kaski)

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Kuratiert aus Ausgabe April 2026
Ein Popstar der unkonventionellen Art. Berühmt wurde sie in den Neunzigern als Mitglied der Spice Girls, der erfolgreichsten Girlgroup aller Zeiten. Zu Beginn dieses Jahrtausends kam die Auszeit, für Mel C der Beginn einer erfolgreichen Solokarriere.

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Melanie Jayne Chisholm, 52, besser bekannt als Mel C oder Sporty Spice, sitzt im dunkelroten Sweater in ihrem Haus bei London auf dem Bett in einem ganz in Weiß gehaltenen Schlafzimmer. Das Haar lang, das Gesicht leicht gerötet. Eigentlich war die Kamera ausgestellt, weil sie gerade „ziemlich verschwitzt“ vom Gym nach Hause gekommen sei. Dann hört man sie lachen, und schon stellt sie die Kamera doch noch an. „Was soll der Quatsch? Ich bereite mich auf einen ‚HYROX‘-Wettbewerb vor. Dass meine Schwester uns angemeldet hat, kam etwas überraschend, denn ich war sehr beschäftigt mit meinem Album und nicht so gut in Form. Aber ich freue mich darauf.“

 Wo sind Sie aufgewachsen?

In Widnes, einer Kleinstadt bei Liverpool. Die Gegend ist von der Working Class geprägt. Von dort habe ich meinen Biss und das Bedürfnis, im Leben voranzukommen. Paul Simon hat den Song „Homeward Bound“ über Widnes geschrieben, als er hier am Bahnhof mal auf den Zug nach London gewartet hat.

Ihre Mom Joan Chisholm war Sängerin, ein Vorbild für Sie?

Als Kind habe ich viele ihrer Auftritte gesehen und war unglaublich stolz auf sie. Ich habe aber auch früh gelernt, wie knallhart diese Branche ist. Meine Mutter war immer eine Inspiration für mich wegen ihrer Herzlichkeit und ihrer Arbeitsmoral. Zu Hause war das Geld knapp, Mom arbeitete die ganze Woche, so wie mein Stiefvater. Und an den Wochenenden hatte sie Gigs. Ich habe von ihr gelernt, dass du hart arbeiten musst, wenn du im Leben etwas erreichen willst. Mom sagte aber auch: „Tu nie etwas, bei dem du ein ungutes Gefühl hast.“ Was ich mir mehr zu Herzen hätte nehmen sollen. Leider habe ich erst in den letzten Jahren begonnen, das umzusetzen.

Sie arbeiten bis heute hart…

Zweieinhalb Jahre habe ich an meinem neuen Album gearbeitet, bin live aufgetreten, war als DJane unterwegs und Jury-Member bei „The Voice“ in Australien. Ich mache nur noch Dinge, die ich liebe. Ich habe die beste Zeit meines Lebens und keine Lust, mein Tempo zu drosseln.

Haben Sie als Kind gegen Ihre Eltern rebelliert?

Nein. Lustigerweise geht mir das mit meiner Tochter genauso. Sie ist ein liebes Mädchen, aber manchmal streiten wir auch. Mit meiner Mutter habe ich mich nie gestritten. Was an meiner Persönlichkeit liegt und dass ich darauf fixiert war, meine Träume umzusetzen, unterwegs war zum Tanzunterricht und zum Sport ging. Irgendwie habe ich diese rebellische Phase als Teenager ausgelassen.

Sind Sie eine strenge Mutter?

Ich bin ein großer Softie! Meine Tochter sagt, ich sei die perfekte Mutter. Es gibt natürlich auch für mich eine Grenze, aber die überschreitet sie nie. Ich selbst habe die Dinge auch nie überzogen. Meine Mutter war sehr offen zu mir, und ich bin ihr stets mit Respekt begegnet. Wenn ich abends um halb zehn zu Hause sein sollte, war ich das auch. Gut, meine Tochter ist um zwanzig vor zehn zu Hause, sie dehnt die Grenzen einen Tick. Aber im Großen und Ganzen hat sie mich nie herausgefordert.

Wie haben Sie Ihrer Tochter Ihren Job erklärt?

Als sie noch ganz klein war, habe ich ihr ein paar alte Spice-Girls-Videoclips gezeigt. Und zuvor hatte ich ein Engagement am Theater übernommen, da war sie erst sechs Monate alt und oft dabei. Was anderen ungewöhnlich erscheint, ist für sie Normalität.

Sind Sie eine gute Verliererin?

Früher war ich ein Albtraum. Wenn ich zu Weihnachten mit meinen Cousins und Cousinen Brettspiele spielte und nicht gewann, wischte ich schon mal das Spielbrett vom Tisch. Manchmal haben wir uns sogar geprügelt. Rückblickend ist das erschreckend, weil ich diese Person schon lange nicht mehr bin. Andererseits wünsche ich mir heute manchmal etwas von der Selbstsicherheit zurück, die ich als kleines Mädchen hatte.

Gleich die erste Single der Spice Girls, „Wannabe“, wurde ein globaler Erfolg. Wie surreal war das?

Wir konnten nicht mehr auf die Straße gehen, ohne erkannt zu werden. Wir hatten von da an Security-Leute, die uns abschirmten, und flogen in Privatflugzeugen durch die Welt, lebten in einer seltsamen Blase, die den gewöhnlichen Alltag ausschloss. Ich habe King Charles getroffen und noch seine Mutter Queen Elisabeth. Paul McCartney und Nelson Mandela, was für ein eindrucksvoller Mensch. Und meine größte Heldin, Madonna.

Werden die Neunziger heute verklärt?

Nein, es war eine Ära, die wirklich unschuldig war. Unkompliziert. Zumindest meine Familie hatte früher mehr Spaß als jetzt. In den Achtzigern und Neunzigern saßen wir noch alle zusammen vor dem Fernseher. Heutzutage starren die Menschen allein auf ihr Handy, die Kids sind lieber in sozialen Netzwerken unterwegs, anstatt gemeinsam etwas anzustellen.

Den Neunzigern haben wir auch Girl Power zu verdanken.

Es war ein gutes Jahrzehnt für Frauen, und wir waren die Girl-Power-Postergirls. Endlich forderten Frauen Gleichberechtigung am Arbeitsplatz ein, auch in der Musikindustrie. In unserem Teil der Welt war es obendrein eine Phase des ökonomischen Aufschwungs. Aber die Neunziger waren auch brutal, die Klatschpresse war skrupellos. Wenn ich mir alte Pressegeschichten über uns anschaue, bin ich von der Sprache angewidert. Wir waren junge Mädchen, die kritisiert und gemobbt wurden und gejagt wie wilde Tiere. Tatsächlich ist es ein Wunder, dass wir das alles unbeschadet überstanden haben.

Spätestens seit den Oasis-Comeback-Shows haben sich alle darauf geeinigt, dass die Neunziger toll waren, oder?

Absolut, auch ich war im Wembley-Stadion, und Oasis waren umwerfend, besser als jemals zuvor. Alle fühlten sich geborgen, eine Innigkeit, die alle Menschen gerade gut gebrauchen können. Das Lustige ist, dass Oasis-Konzerte in den Neunzigern eher befremdlich waren, sehr männlich mit aggressiver Energie im Publikum. Jetzt war es familiär, generationenübergreifend und wunderbar. Ein tolles Beispiel dafür, wie Musik Menschen zusammenbringt. Ich habe die ganze Zeit mitgesungen.

Sie waren in der ganzen Welt unterwegs. Hat das Ihren Blick auf Großbritannien geändert?

Als ich klein war, konnte ich es nicht abwarten wegzukommen. Mit 16 zog ich nach London. Schon dort war es ein anderes Leben. In Liverpool kenne ich alle Läden und freue mich über den Akzent der Menschen. Und ich liebe den Anblick der Liverpooler Kathedrale oder das Royal Liver Building. Die zu sehen, bewegt mich sehr, meine Liverpool-Gene sind stark.

 Sie sind Fan des FC Liverpool. Leiden Sie, wenn die so schlecht spielen wie zuletzt?

Hören Sie bloß auf! 2025 war ein Mist-Jahr für alle FC-Liverpool-Fans. Aber zumindest war es eine spannende Saison. Wir vermissen unseren alten Trainer Jürgen Klopp. Der war toll, ganz Liverpool liebt ihn bis heute. Er ist wie einer von uns, frech, mit Humor, aber auch ein harter Arbeiter, der sein Team voll unterstützt.

Gibt es spezielle englische Lebensmittel, die Ihnen fehlen, wenn Sie in der Welt unterwegs sind?

Nicht wirklich, ich mag kein „English Breakfast“ und keine Baked Beans. Wenn ich mit meinem Boyfriend auf Reisen bin, probieren wir die lokalen Spezialitäten.

Was essen Sie am liebsten in Deutschland?

Ich liebe Currywurst. Und weißen Spargel. Ich versuche immer, es zur Spargelsaison nach Deutschland zu schaffen.

Ihr liebstes englisches Wort?

„Discombobulated“. Es bedeutet, verwirrt, etwas neben der Spur zu sein. Ein Wort, beidem Klang und Bedeutung wunderbar deckungsgleich sind.

Sie tragen nicht nur Trainingsanzüge, Ihr Freund Jonathan Anderson ist neuer Creative Director bei Dior, der gleich eine Kampagne für Sie konzipierte.

Jonathan kommt, wie ich, aus einer hart arbeitenden Familie. Er hat einen eklektischen Geschmack, kann alles designen, egal ob Mode oder Möbel. Bei Dior entwirft er nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer, was es noch nie gegeben hat. Dass er seine Entwürfe mit einem Augenzwinkern angeht, liebe ich. Für die Kampagne hat er eine „Loafer-Bag“ entwickelt, eine Tasche, die von einem Schuh inspiriert ist, exakt mein Humor.

Ihr neues Album heißt „Sweat“…

Stimmt, ich gehe damit zurück zum vergnügten Spice-Girls-Sound. Ich wollte ein Dance-Album, das von meiner Arbeit als DJane inspiriert ist. Ich habe viel darüber nachgedacht, wer ich eigentlich bin, privat und auf der Bühne. Die neue Musik soll abbilden, wie energiegeladen und ehrgeizig ich mit über fünfzig noch bin.

Am 50. Geburtstag von Geri Halliwell haben Sie alle zu Spice-Girls-Hits gefeiert. Ist das nicht surreal?

Gar nicht, das haben wir bereits auf Partys von Victoria und Emma gemacht. Wir haben immer zu unserer eigenen Musik getanzt, wir sind stolz darauf. Ich bin Sporty Spice for life!

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