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Kuratiert aus Ausgabe Oktober 2023
Schmuck

Patrice Leguéreau verwandelte Chanels Tweed in ikonische Schmuckstücke

Patrice Leguéreau verwandelte Chanels Tweed in ikonische Schmuckstücke Patrice Leguéreau verwandelte Chanels Tweed in ikonische Schmuckstücke
„Alles beginnt mit der Zeichnung“, sagte Patrice Leguéreau, der sich mit seinen beiden „Tweed“-Kollektionen in die Annalen des Hauses eingeschrieben hat (Foto: Courtesy of Chanel)

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Kuratiert aus Ausgabe Oktober 2023
Der Stoff, aus dem Juwelenträume sind: Schmuckdesigner Patrice Leguéreau im Designerporträt

Dieser Text stammt aus unserer Printausgabe Oktober 2023. Patrice Legueréau ist am 12. November 2024 im Alter von 54 Jahren verstorben.

Chanel und Tweed – seit den späten 1920er-Jahren, als Gabrielle Chanel mit ihrem Geliebten, dem Herzog von Westminster, durch die schottischen Hochmoore streifte und vollends, als sie 1954 ihr furioses Nachkriegs-Comeback mit dem Tweed-Kostüm feierte, wurden die beiden, das Tailleur und Mademoiselle – zum Synonym. Den robusten Männerstoff verwandelte sie in etwas Ultrafeminines, in eine vollkommen neue Art der Eleganz.

„Um einzigartig zu sein, muss man anders sein“, zitiert Haute-Joaillerie-Chef Patrice Leguéreau bei unserem Gespräch eine der Lebensweisheiten von Chanel. Es ist auch seine Maxime. Bereits im Pandemiejahr 2020 hat er dem Tweed von Chanel eine aufsehenerregende Juwelenkollektion gewidmet. Nun legt er nach: 63 Juwelen glitzern an diesem heißen Julitag in Chanels Palais an der Pariser Place Vendôme in der Sonne. Auf dem „Tweed Royal“-Collier sprüht ein ganz mit Diamanten besetzter Löwenkopf rotgoldene Funken. Wenn man das Stück in der Hand hält, fällt einem das deutsche Wort „Geschmeide“ ein. Gelbgoldstränge verwoben mit Diamanten und Rubinen, ein pulsierendes, leuchtend lebendiges Gewebe, das sich wie ein Plastron der Büste anschmiegt. Unten funkelt ein Diamanttropfen von zehn Karat, oben erinnert die goldene Gliederkette an das Kugelkettchen im Saum der Chanel-Tailleurs. „Das Thema hat mich bereits seit meinem Debüt bei Chanel beschäftigt“, erzählt Leguéreau. Als ihm Stickerei-Papst François Lesage 2009 im Archiv die kostbaren Stoffe zeigte, „konnte ich die Finger nicht mehr davon lassen“. Diese Struktur, dicht und luftig zugleich! Schuss- und Kettfäden aus Seide und Woll-Bouclé, manchmal waren auch Metallicfäden oder Stränge aus Cellophan, Bast oder Federn eingewebt, und das Ganze mit Perlen oder Pailletten bestickt. Ein halbes Jahr verfloss über den ersten Entwürfen, Zeichnungen, Wachsmodellen, Metallversionen. Drei Jahre insgesamt habe es gedauert, bis die Kollektion 2020 stand, verrät er.

„Um einzigartig zu sein, muss man anders sein.“

Und nun? „Sind wir einen Schritt weitergegangen“, erklärt Leguéreau, dessen Studio an der Place Vendôme mit hellem Marmor, geradlinig modernen Möbeln, tiefen Sesseln, einem Eero-Saarinen-Tisch und dem mattem Gold der Wandbespannungen und Vorhänge wie eine moderne Version von Chanels Appartement im Ritz wirkt, das der Designer von seinen Fenstern aus sehen kann. Seine zweite „Tweed“-Kollektion hat er mit jenen fünf Symbolen verwoben, die Gabrielle Chanel zeitlebens am Herzen lagen: „Die weiße Schleife, die Kamelie, der Komet auf blauem Grund, die Sonne und der Löwe“, zählt Leguéreau auf. „Das erste Kapitel, das der flatternden Schleifenbänder, feiert Leichtigkeit, Flexibilität und Bewegung mit Perlen, Diamanten und Weißgold. Die Kamelie, Chanels Lieblingsblume, entfaltet sich in einer Welt aus Roségold, rosa Saphiren und Spinellen. Für den Kometen, ihren Glücksstern, haben wir die Farbe Blau und den Nachthimmel neu vermessen“, sagt der Designer, „Blau in all seinen Schattierungen, von Onyx bis Saphir und Lapislazuli, mit kleinen Sternen, die wie Stickereien über den Tweed gestreut sind.“ Die Opulenz der Sonne strahle in Gold und gelben Steinen. „Und für die Kraft des Löwen kam nur Rot und ein Tweed von großer Fülle und Extravaganz in Frage.“ Königlich, golden und so rot wie Siegellack. Jedes dieser Symbole habe ihn auch „zu einem anderen Geist, zu einer anderen Dichte und einem anderen Volumen des Juwelen-Tweeds“ geführt. „Ganz intuitiv, über meine Skizzen.“

Goldenes Gewebe: Chanel Couture, Juli 2023 (Foto: Courtesy of Chanel)
Blütenzart: Kamelienblätter in der Tweed-Skizze von Patrice Leguéreau (Foto: Courtesy of Chanel)
Von links im Uhrzeigersinn: die „Tweed perlé“-Halskette, das „Tweed Camélia“-Sautoir und der „Tweed poudré“-Ring (Fotos: Courtesy of Chanel)

Mit welcher Präzision Patrice Leguéreau bereits in diesen „Tweed“- Aquarellen den Charakter seiner Stücke vorausnimmt, verblüfft. „Alles beginnt mit den Skizzen“, nickt er, „darin sammle ich meine Gedanken, Stift und Farbe transkribieren sie.“ Leguéreau, der an der Pariser Talentschmiede École Boulle als Graveur und Gemmologe ausgebildet wurde, erst bei Cartier, dann elf Jahre bei Van Cleef&Arpels arbeitete, hat eine Revolution in der Haute Joaillerie ausgelöst. Er war 2003 der erste Gestalter, der eine Juwelenkollektion erzählte. Keine Einzelstücke entwarf, denen man mehr oder minder fantasievolle Titel gab, sondern Stücke, die wie die verschiedenen Kapitel eines Romans funktionierten. Seit 2009 erzählt er Geschichten über Chanel. Über eine Frau nachzudenken, die so eng mit der modernen Definition von Luxus verknüpft ist, sei „das Spannendste, was mir passieren konnte“, meint der Wahl-Pariser aus Bordeaux. Das Thema Luxus habe ihn von jeher beschäftigt. Als die letzte Bastion des „Genug ist nicht genügend“. Als Ventil für einen, dessen Lust an der Perfektion im kleinsten Detail sichtbar wird, in minimo maximum. Der die Grenzen der Handwerkskunst immer weiter verschiebt – wohin? Zur Kunst, oder besser: zum Märchen.

Wie man es fertigbringt, Gold zu Stoff zu spinnen? Leguéreau lächelt. Ja, das sei die Aufgabe gewesen: „Ein Juwelengewebe zu erfinden, so schmiegsam und leicht, als würde man wirklich von einem Stück Stoff umhüllt.“ Eine Etage unter seinem Studio hängt sein „55,55“-Collier hinter Panzerglas. Es ist aus der Kollektion, die er 2021 Chanels „No. 5“ gewidmet hat. Ein stilisierter Flacon, duftige Diamanten mit einem kapitalen centerstone. „Hätte der Diamant nach dem Schleifen nur 55,54 Karat gehabt, wäre das Collier für uns verloren gewesen“, sagt Leguéreau. Die Kette ist unverkäuflich, schon jetzt Teil dessen, was er „patrimoine vivant“, das „lebendige Erbe von Chanel“ nennt. Nebenan ist noch Platz für sein „Collier Royal“.

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