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Am 20. Juni schlug die New York Times Alarm: Der Hüttenkäse war in der ganzen Stadt quasi ausverkauft. Die Autorin des Artikels – selbst eine Leidtragende – zitierte eine Reddit-Nutzerin, die die Jagd auf Hüttenkäse mit den „Hunger Games“ verglich. Der Hauptgrund: Durch den Protein-Hype war die Nachfrage so schnell so radikal gestiegen, dass sie einfach nicht mehr befriedigt werden konnte. „Er war vom Aussterben bedroht“, sagt der Geschäftsführer einer amerikanischen Molkerei über Hüttenkäse, „Dann kam TikTok“ und die Verkäufe hätten sich ausgebreitet „wie ein Buschfeuer“.
Ich kenne das Gefühl, in deutschen Supermärkten ist es der isländische Skyr, nach dem ich ständig suchen muss. Kein Wunder, die Absatzzahlen stiegen laut NielsenIQ von Februar 2024 bis Februar 2025 um 30 Prozent und bis Februar 2026 nochmals um 43 Prozent.
Wer nicht seit vier Jahren in einer einsamen Hütte ohne Strom lebt, hat es also wahrscheinlich schon mitbekommen: Wir alle sollen mehr Protein, also Eiweiß, zu uns nehmen, nämlich zwischen ein bis zwei Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Und das, glaubt man der Protein-Maxxing-Bubble, ganz besonders Frauen ab einem gewissen Alter, wenn der Muskelschwund dank Menopause quasi unaufhaltsam ist und nur durch Krafttraining und sehr viel Protein immerhin noch verlangsamt werden kann.
Protein eignet sich wunderbar zum Nerden, es ist ein Makromolekül, das aus Aminosäuren aufgebaut wird. Nicht jedes Lebensmittel enthält das vollständige Aminosäureprofil (Hüttenkäse und Skyr schon), man kann aber durch gutes Kombinieren von z.B. Hülsenfrüchten und Getreide … okay, okay, ich hör schon auf. Das Zählen von Eiweiß kann schnell obsessive Züge annehmen, was gerade beim Thema Essen nie ein gutes Zeichen ist. Es muss also niemand akribisch Tagebuch führen über die täglich eingenommene Protein-Menge, genauso wenig wie man sich einzureden braucht, etwas Gutes für seine Gesundheit zu tun, wenn man „Proteinpudding“ oder proteinhaltigem Instantkaffee (ja, den gibt es, der Umsatz ist in den zwölf Monaten bis April 2026 um 427 Prozent gestiegen) zu sich nimmt.
Was jeder Mensch über 20 aber tun sollte, ist, sich ein paar grundsätzliche Gedanken zu seiner Ernährung zu machen. Und zu erkennen, dass Nudeln keine ideale Hauptnahrungsquelle sind. Sondern, Überraschung, dass die Ernährung abwechslungsreich sein sollte und Gemüse genauso beinhaltet wie, genau, Proteinquellen. Aber das wissen Sie ja selbst, Sie sind schließlich erwachsen.