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Kuratiert aus Ausgabe April 2026
Lifestyle

Muss ich überall dabei sein?

Muss ich überall dabei sein? Muss ich überall dabei sein?
Foto: Iuliia Bondar/Getty Images

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Ausgabe April 2026
Kuratiert aus Ausgabe April 2026
FOMO ist ein gesellschaftliches Phänomen. Aber was, wenn man bei Vernissagen oder Shop-Eröffnungen gar nichts verpasst? Unsere Autorin plädiert für mehr Selbstachtung

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Kuratiert aus Ausgabe April 2026

Wenn Sie ein Mitglied der sogenannten Society sind oder sein wollen, auf jeden Fall. Oder wie es Hubertus von Hohenlohe in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ vor sehr vielen Jahren erklärte: „Wirklich dazuzugehören ist schwierig. Sie müssen auf jeden Fall immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, das funktioniert so: Es sind immer die gleichen Menschen, nur die Orte, an denen sie feiern, ändern sich.“ Klingt anstrengend, ist es auch: Der Kalender lässt dem Jetset nie ein freies Wochenende. Da sind zum einen die Orte, von Gstaad bis Saint-Tropez, an denen man zu bestimmten Zeiten des Jahres unbedingt sein muss, und zum anderen die Events – vom Oktoberfest über die Salzburger Festspiele, die Art Basel, die Biennale in Venedig…

Es gibt Leute, die gehören nie wirklich dazu, setzen aber alles daran, dabei zu sein, weswegen sie eigentlich nur dafür arbeiten, sich das ganze Hin- und Hergefliege leisten zu können. Ist die Motivation hinter diesem Stress nur die Sehnsucht nach Luxus, auf den Yacht-Trip etwa? Dafür hätte ich Verständnis, aber den meisten Adabeis, wie man in Bayern Leute, die immer dabei sein wollen, nennt, geht es um etwas anderes, um eine diffuse Vorstellung von Anerkennung. Eigentlich sollte man als erwachsener Mensch doch wissen, dass man die nur in sich selbst findet. Bevor man in Zukunft also irgendwo hingeht, bloß weil „alle hingehen“, sollte man an diese Figuren denken. Als Warnung. FOMO ist etwas, das man bis Mitte 30 haben darf. Danach sollte man verstanden haben: Man verpasst nirgends etwas. Je älter man ist, umso mehr muss man auf Qualität achten, finde ich, das gilt für Kleider und für Einladungen.

Wie trennt man den Weizen von der Spreu? Ganz einfach, da, wo es nur um Champagner trinken und Small Talk geht, muss man nicht hin, womit 80 Prozent aller Eröffnungen schon mal aus dem Kalender fliegen. Vernissage? Wem es um Kunst geht, kann sie sich auch einen Tag später in Ruhe anschauen. Shop-Eröffnung? Vor der Kabine noch länger Schlange stehen? Die Boutique ist auch in den Tagen darauf noch da. Ein anderes Qualitätsmerkmal ist die Anzahl der Menschen. Für mich darf die Gruppe nicht größer als zwei Personen (mich inklusive) sein. Vielleicht ist das ein bisschen streng – ich gebe zu, man kann, wenn man sich einmal entscheidet, nirgends mehr hinzugehen, Starallüren bekommen. Aber Sie merken, worauf ich hinauswill.  Beim Rarmachen geht es nicht um die anderen, die merken sowieso nicht, dass Sie nicht da sind. Es geht einzig und allein um Sie. Und die Zeit, die Sie plötzlich mit Hunden, Katzen, Kindern und echten Freunden verbringen können.

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