MADAME Newsletter - Erhalten Sie stilvolle Inspiration, exklusive Inhalte und Gewinnspiele, digital und kostenlos.
Jetzt zum Newsletter
anmelden
Warum die Antwort nichts mit dem Alter zu tun hat.
MADAME Newsletter - Erhalten Sie stilvolle Inspiration, exklusive Inhalte und Gewinnspiele, digital und kostenlos.
Jetzt zum Newsletter
anmelden
Es gibt wohl kaum ein Kleidungsstück, das in den vergangenen Jahren so konsequent abgeschrieben wurde wie die Skinny Jeans. Nachdem sie die Mode der 2010er nahezu im Alleingang prägte, schien ihr Schicksal besiegelt: Wide Leg, Barrel und Baggy übernahmen das Ruder, schmale Silhouetten galten plötzlich als Relikt einer vergangenen Modeepoche. Wer modisch sein wollte, so schien es, verabschiedete sich von der Röhrenjeans.
Viele Frauen taten genau das. Andere ließen ihre Lieblingsjeans einfach im Schrank – wirkte man mit einer solchen Hose denn sonst zu altmodisch?
Bekanntermaßen kommen Trends in Zyklen und ausgerechnet eine Generation, die sich jahrelang demonstrativ von der Skinny Jeans distanziert hat, entdeckt sie wieder für sich. Junge Frauen tragen schmale Jeans zu Lederjacken und Ballerinas, Luxuslabels wie Celine und Dior schicken wieder engere Silhouetten über den Laufsteg. Die Skinny Jeans ist zurück (für uns alle!).
Die Mode-Regeln haben sich verändert
Johanna Czepalla, Senior Designerin beim deutschen Denim-Label Closed, brachte es in einem Interview mit dem Stern auf den Punkt: „Die Skinny Jeans kehrt zurück, daran gibt es keinen Zweifel.“ Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass dieses Comeback langsamer verläuft, als viele Trendberichte vermuten lassen. Zwar tauche die schmale Jeans bereits bei Häusern wie Miu Miu oder Balenciaga auf, im Mainstream sei sie jedoch noch längst nicht angekommen.
Das passt zu einer Modewelt, die heute ohnehin weniger von eindeutigen Regeln geprägt ist als noch vor einigen Jahren. Während vor der Pandemie elegante Tailoring-Looks dominierten, habe sich der Alltag grundlegend verändert, sagt Czepalla. Bequeme Kleidung sei zur neuen Selbstverständlichkeit geworden. „Man kann sogar sagen: Jeans sind die neuen Trainingshosen“, erklärte sie laut Bericht.
Kleidung ohne Verfallsdatum, bitte!
Was ältere Generationen schon längst wussten – schließlich hat man seinen persönlichen Stil über die Jahre bereits hervorragend perfektioniert und hält nichts mehr von Microtrends – war die Skinny Jeans tatsächlich nie wirklich verschwunden. Frauen jenseits der 40 beschäftigt ohnehin selten die Frage, welches Modell gerade auf TikTok viral geht. Wer seinen persönlichen Stil über Jahre entwickelt hat, weiß meist sehr genau, welche Schnitte funktionieren und welche nicht. Eine perfekt sitzende Jeans ersetzt man schließlich nicht deshalb, weil ein Trendzyklus es verlangt.
Dennoch haftet der Skinny Jeans bis heute ein merkwürdiger Ruf an. Sie gilt vielen als „zu jung“ oder – paradoxerweise – als „zu alt“; vielleicht, weil sie so eng mit den 2010er-Jahren verbunden wird. Kleidung mit MHD? Eine erstaunlich hartnäckige Vorstellung. Wie absurd sie sein kann, zeigte vor zehn Jahren eine Umfrage des Finanzportals Retire Savvy. Mehr als 2000 junge Britinnen und Briten wurden gefragt, ab welchem Alter Frauen bestimmte Dinge nicht mehr tun sollten (wir stellen uns lieber die Frage: Warum sollte man das überhaupt untersuchen?). Das Ergebnis: Mit 47 Jahren sei Schluss mit Skinny Jeans. Die Huffington Post kommentierte die Studie damals treffend als ungefähr so wissenschaftlich wie die Frage, wie hoch der Blutdruck beim Lesen solcher Ergebnisse steigen könne.
Die Vorstellung, Frauen müssten mit einem bestimmten Geburtstag plötzlich ihre Garderobe austauschen, wirkt heute ohnehin aus der Zeit gefallen. Müssten Jennifer Lopez, Heidi Klum Sarah Jessica Parker und Kate Middleton tatsächlich ihre Lieblingsjeans aussortieren, nur weil irgendeine Umfrage ihnen ein Haltbarkeitsdatum zuschreibt? Wohl kaum. Sie zeigen vielmehr, dass Stil deutlich weniger mit dem Alter zu tun hat als mit Haltung.
Wie die Skinny-Jeans heute getragen wird
Entscheidend ist heute ohnehin weniger die Jeans selbst als ihre Kombination. Wer seine Skinny Jeans modern tragen möchte, sollte weniger an den Look von 2012 denken als an zeitgenössische Proportionen. Besonders elegant wirken hochwertige Modelle aus festem, dunklem Denim mit einer mittleren oder hohen Taille. Eine stark verwaschene Stretch-Röhre mit ausgeprägtem Used-Look erzählt dagegen sehr deutlich von einer anderen Modeära.
Auch beim Styling gilt: Kontraste machen den Unterschied. Ein großzügig geschnittener Kaschmirpullover, ein maskulines Hemd oder ein hochwertiger Oversize-Blazer verleihen der schmalen Silhouette sofort eine moderne Wirkung. Statt klobiger Sneaker harmonieren heute Loafer, elegante Slingbacks, schlichte Ballerinas oder kniehohe Reitstiefel besonders gut mit der engen Hose. Gerade Letztere gehören zu den Kombinationen, für die die Skinny Jeans bis heute nahezu konkurrenzlos ist.
Falls Ihre Lieblings-Skinny Jeans also seit einigen Jahren geduldig im Schrank auf ihren nächsten Auftritt wartet, dürfen Sie sie guten Gewissens wieder hervorholen. Die Skinny Jeans ist längst zu einem Klassiker geworden – ähnlich wie das weiße Hemd, der Trenchcoat oder der marineblaue Blazer. Ein Kleidungsstück, das mal stärker im Fokus steht und sich dann wieder etwas zurücknimmt, ohne jemals wirklich zu verschwinden.