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Es ist ein vertrauter Moment am Morgen. Der Kleiderschrank ist voll – sorgfältig ausgewählt, über Jahre gewachsen, Stück für Stück ergänzt. Und doch steht man davor und denkt: Ich habe nichts anzuziehen. Kleider werden herausgezogen, kurz betrachtet, wieder zurückgehängt. Die Möglichkeiten sind zahlreich – und genau hier liegt das Problem. Am Ende greift man doch zu dem Outfit, das man kennt, das sich bewährt hat und das sich heute richtig anfühlt, weil es schon gestern funktioniert hat.
Choice Overload
Was wie eine beiläufige Alltagsszene wirkt, ist in Wahrheit ein erstaunlich präzises Abbild unserer Entscheidungsfindung – nicht nur im Kleiderschrank, sondern auch bei der Geldanlage. Verhaltensökonomen beschreiben dieses Phänomen als Choice Overload: Wenn die Auswahl zu groß wird, fällt uns die Entscheidung schwerer. Mehr Optionen bedeuten nicht mehr Freiheit, sondern oft das Gegenteil. Wir beginnen zu zweifeln, abzuwägen, zu vergleichen – und geraten in eine Art mentale Starre.
Die Folge: Wir verharren in Untätigkeit oder greifen auf das zurück, was uns vertraut ist. Genau hier setzt ein zweiter, ebenso wirkmächtiger Mechanismus ein: der sogenannte Status-quo-Bias. Die Tendenz, beim Bekannten zu bleiben, selbst wenn es objektiv bessere Alternativen gäbe. Im Kleiderschrank ist es das Lieblingsoutfit. In finanziellen Fragen ist es häufig das Konto, das man schon immer hat. Oder das Geld, das dort liegen bleibt, wo es ist – aus Gewohnheit, nicht aus Überzeugung.
„Verluste empfinden wir emotional deutlich intensiver als Gewinne“
Dieser Hang zum Status quo ist tief in uns verankert. Er speist sich aus mehreren psychologischen Quellen. Eine der stärksten ist die sogenannte Verlustaversion: Verluste empfinden wir emotional deutlich intensiver als Gewinne. Die Aussicht, etwas zu verlieren, wiegt, laut psychologischen Untersuchungen, in etwa doppelt so schwer wie die Chance, etwas zu gewinnen. Übertragen auf den Kapitalmarkt bedeutet das: Schwankungen wirken wie ein Warnsignal. Ein fallender Kurs fühlt sich an wie ein Fehler, den man hätte vermeiden können. Und so entscheiden sich viele, gar nicht erst zu investieren – oder steigen aus, sobald es unruhig wird.
Dabei ist genau diese Unruhe ein ganz normaler Bestandteil der Kapitalmärkte. Wer kurzfristig in Aktien investiert, muss mit einer großen Bandbreite möglicher Ergebnisse rechnen. Ein Blick auf die vergangenen 25 Jahre am amerikanischen Aktienmarkt zeigt, wie stark kurzfristige Anlageergebnisse schwanken können. Wer für nur ein Jahr investiert war, musste mit einer Bandbreite von rund -43 % bis 56 % an möglicher Rendite rechnen – gemessen am amerikanischen Aktienindex S&P 500 (in USD). Diese Spannbreite ist es, die viele abschreckt.
Doch mit der Zeit verändert sich das Bild. Wer den Anlagehorizont auf zehn Jahre verlängert, sieht eine deutlich engere Bandbreite im Kontext der erwirtschafteten Renditen: Die jährlichen bzw. annualisierten Renditen bewegen sich dann zwischen etwa -2 % und 17 %. Extreme Ausschläge verlieren an Bedeutung, die Ergebnisse werden berechenbarer. Aus einem breiten, unruhigen Spektrum wird mit der Zeit ein verlässlicherer Korridor. Genau darin liegt die Stärke langfristigen Investierens: nicht darin, Schwankungen zu vermeiden, sondern ihnen Zeit zu geben, sich auszugleichen.
Weniger ist oft mehr
Und genau hier wird die Verbindung zu unserem Verhalten wieder sichtbar. Denn so wie wir im Kleiderschrank dazu neigen, uns von zu vielen Optionen verunsichern zu lassen und am Ende beim Bekannten zu bleiben, so neigen wir auch beim Investieren dazu, Komplexität zu überschätzen und Unsicherheit zu vermeiden. Wir suchen nach der perfekten Entscheidung – und verhindern dadurch oft, überhaupt eine zu treffen. Die eigentliche Kunst liegt deshalb nicht darin, mehr zu wählen, mehr zu wissen oder mehr zu optimieren. Sondern darin, zu reduzieren. Weniger Optionen, klarere Linien, ein bewusster Umgang mit den eigenen Mustern. Im Kleiderschrank wie im Portfolio. Denn Sicherheit entsteht nicht durch maximale Auswahl – sondern durch den passenden Anlagehorizont.
„Natürlich haben nicht alle Frauen dieselben Bedürfnisse. Doch ob Familiengründung oder Nachfolgeplanung, Rush Hour oder Ruhestand: Geld spielt immer eine Rolle. Statistisch gesehen leben Frauen länger als Männer, und sie denken Vermögen über Generationen hinweg. Gute Gründe, sich mit dem Thema Geldanlage auseinanderzusetzen und mit Gleichgesinnten auszutauschen. Die Women’s-Wealth-Angebote der Bethmann Bank unterstützen Sie dabei.“
Hier finden Sie weiterführende Infos zum Thema Women’s Wealth.