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Streng genommen ist „Sacred Water“ überhaupt kein Wasser, sondern ein geklärtes Kräuter-Tonic aus Kokoswasser, Jasmintee, weißem Traubensaft, Kokosmilch, Honig, Basilikum, Anis und Kardamom, serviert wird das Getränk auf Eis. Jolie erklärte die ungewöhnliche Kooperation mit der historischen Bedeutung von Wasser als Symbol für Erneuerung, Ritual und Transformation. Aus einem alltäglichen Getränk wird so ein kleines Wellness-Ritual – und aus Wasser ein Luxusprodukt.
Eigentlich nur ein weiteres Hype-Produkt aus der Welt von Erewhon. Schließlich hat der Supermarkt bereits mit einem 21-Dollar-Smoothie in Zusammenarbeit mit Hailey Bieber, teuren japanischen Erdbeeren und sogar Luxus-Eiswürfeln für Schlagzeilen gesorgt. Doch hinter dem „Sacred Water“ steckt ein größerer Trend: Wasser soll heute längst nicht mehr nur Wasser sein. Wir stellen vor: das „Infused Water“.
Was bedeutet Infused Water eigentlich?
Zitrone, Gurke und ein paar Minzblätter im Wasserglas sind keine neue Erfindung. Doch unter dem Begriff „Infused Water“ hat die Idee in den vergangenen Jahren ein Wellness-Update bekommen. Statt Wasser lediglich geschmacklich interessanter zu machen, werden ihm Früchte, Gemüse, Kräuter oder andere Zutaten zugesetzt, denen bestimmte gesundheitliche Eigenschaften zugeschrieben werden.
Daneben etabliert sich derzeit vor allem in den USA eine noch etwas ambitioniertere Variante: sogenanntes „Loaded Water“, also „geladenes Wasser“. Dabei landen neben frischen Früchten beispielsweise Kokoswasser, Elektrolytpulver oder probiotische Getränke im Glas. Eine Tinktur aus Wasser und Nahrungsergänzung also. Auf Social Media werden die Mischungen als Möglichkeit präsentiert, die tägliche Flüssigkeitszufuhr zu optimieren und gleichzeitig zusätzliche Nährstoffe aufzunehmen.
Damit passt Infused Water perfekt zu einem größeren Wandel in der Wellnesswelt. Lebensmittel sollen heute möglichst mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Der Smoothie nach dem Workout kommt jetzt mit Kollagen- oder Proteinzusatz und versprechen „Glow-Skin“; und selbst das Wasserglas soll im Idealfall nicht nur den Durst löschen, sondern gleichzeitig Haut, Verdauung, Energielevel oder Regeneration unterstützen.
Brauchen wir wirklich funktionales Wasser?
Gesundheitlich lohnt sich allerdings ein nüchternerer Blick. Denn zwischen selbst gemachtem Infused Water und industriell hergestelltem Vitaminwasser gibt es erhebliche Unterschiede.
Mit ein paar Scheiben Gurke, Beeren, Zitrone oder frische Minze wird Wasser geschmacklich interessanter. Das kann besonders sinnvoll für Menschen sein, denen es schwerfällt, über den Tag ausreichend zu trinken. Früchte und Kräuter geben bereits nach wenigen Minuten Aromastoffe an das Wasser ab. Bei Früchten, deren Schale mit ins Glas kommt, empfiehlt es sich, auf Bio-Qualität zu achten.
Vorsicht ist dagegen bei fertigen Vitaminwassern geboten. Denn der Name suggeriert häufig ein deutlich gesünderes Produkt, als tatsächlich in der Flasche steckt. Laut einer Auswertung des NDR können in einer 0,5-Liter-Flasche bis zu 23 Gramm Zucker enthalten sein. Ernährungsexpert:innen weisen darauf hin, dass Wasser, ungesüßter Tee und eine ausgewogene Ernährung mit Obst und Gemüse in der Regel die sinnvollere Grundlage darstellen. Bei einem tatsächlichen Nährstoffmangel sollte dieser gezielt behandelt werden.
Ähnliches gilt für Elektrolyte. Nach intensivem Sport und starkem Schwitzen können zusätzliche Mineralstoffe sinnvoll sein. Wer sich jedoch ausgewogen ernährt und keinen außergewöhnlich hohen Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust hat, braucht nicht automatisch täglich Elektrolytpulver im Wasserglas.
Infused Water einfach selber machen
Für den Trend braucht es weder einen Flug nach Kalifornien noch einen großen Geldbeutel. Die unkomplizierteste Variante lässt sich zu Hause innerhalb weniger Minuten zubereiten.
Mit ein paar Scheiben Gurke, Beeren, Zitrone oder frische Minze wird Wasser geschmacklich interessanter. Das kann besonders sinnvoll für Menschen sein, denen es schwerfällt, über den Tag ausreichend zu trinken. Dafür Wasser mit geschnittenen Früchten, Gemüse oder frischen Kräutern nach Wahl aromatisieren und anschließend kühl stellen Früchte und Kräuter geben bereits nach wenigen Minuten Aromastoffe an das Wasser ab. Bei Früchten, deren Schale mit ins Glas kommt, empfiehlt es sich, auf Bio-Qualität zu achten.
Besonders erfrischend ist beispielsweise die Kombination aus Wassermelone und Minze. Ebenfalls klassisch ist Zitrone, Limette und Gurke. Auch Ananas und Kokoswasser sind ein beliebtes Duo. Oder, um dem Erewhon-Hype nachzugehen:
Das Original enthält
● weißen Traubensaft
● Kokosmilch
● Kokoswasser
● Jasmintee
● indisches Basilikum (alternativ handelsübliches Basilikum)
● Anis-Ysop (alternativ Anissamen und Minze)
● grünen Kardamom
● und rohen Honig.
Die genauen Mengenvorgaben sind allerdings nicht bekannt – alle Angaben deshalb ohne Gewähr. Außerdem wird der Drink aufwendig gefiltert, sodass er klar ist. Geschmacklich sollte das Ergebnis wie ein „florales Kokoswasser” schmecken, mit einer leichten Süße und Kardamom.
Solche hausgemachten „Infused Water“ sind besonders hübsch in Glaskaraffen. Achtung: Frische Zutaten sollten gründlich gewaschen und das Getränk gekühlt aufbewahrt werden. Früchte sollten außerdem nicht unbegrenzt im Wasser bleiben: Zitrusschalen können mit der Zeit bitter werden, weichere Früchte verlieren ihre Konsistenz und bei zu langer Lagerung steigt das Risiko für Keimwachstum.
Braucht Wasser wirklich ein Upgrade?
Selbst etwas so Elementares wie Wasser scheint heute nicht mehr selbstverständlich für sich stehen zu können. Es soll nicht nur hydrieren, sondern möglichst gleichzeitig Energie liefern, die Haut zum Strahlen bringen, die Verdauung unterstützen oder zur inneren Balance beitragen. Aus einem Grundbedürfnis wird ein Optimierungsprojekt. Vitaminpulver, Elektrolyte oder Pflanzenextrakte verwandeln Wasser nicht automatisch in ein gesundheitliches Upgrade. Vor allem aber können sie nicht leisten, was ihnen die Wellnessindustrie mitunter zuschreibt: eine ausgewogene Ernährung oder einen insgesamt gesunden Lebensstil zu kompensieren. Dazu gehört eben eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Und wenn diese durch ein homemade infusiertes Wasser gesichert wird – umso besser!