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Erfindergeist. Ein Wort, das auf jedes Schmuckstück von Wellendorff zutrifft. Egal ob es einer der drehbaren Kaltemaille-Ringe, die Goldkordel oder das Armband ist, das sich fast von selbst ums Handgelenk schlingt. „Federndes Gold haben wir es genannt“, erklärt Claudia Wellendorff und erzählt, dass sie früher oft mit dem Verschluss ihrer Armbänder haderte, und sich „etwas Einfacheres“ wünschte. „Was ist besser als ein Verschluss?“ habe man sich in der Entwicklungsabteilung ihres Mannes Georg gefragt, der mit seinem Bruder Christoph das Pforzheimer Unternehmen in vierter Generation leitet. „Genau, kein Verschluss“, sagt Wellendorff, zieht die beiden Goldstränge etwas auseinander, legt es ans Handgelenk und lässt los… Wie etwas Lebendiges schmiegt sich der Reif um den Arm. Einfacher – und schöner – geht es nicht.
Frau Wellendorff, die Wünsche der Frauen, scheinen die Männer Ihrer Familie zu Schmucksensationen zu beflügeln?
Kann man so sagen (lächelt). Meine Schwiegermutter Eva Wellendorff wünschte sich vor Jahren eine Kette, die so schmiegsam sein sollte wie eine seidene Kordel. Als Kind hatte sie es geliebt, die Goldkordel an den Vorhängen ihrer Großmutter durch die Finger gleiten zu lassen. Mein Schwiegervater hat mit seinem Team mehrere Jahre lang daran getüftelt, das harte, steife Metall Gold so zu bearbeiten, dass es seidenweich und geschmeidig wird – dazu braucht es viel Erfahrung und ein tiefes Materialverständnis. In unserer Manufaktur und wahrscheinlich auf der ganzen Welt gibt es nur drei Goldschmiede, die die Kunst und das Wissen haben, einen Faden aus 18 Karat Gold von Hand herzustellen.
Inzwischen gilt Wellendorff als „Technologieführer“ der Branche, nach der Goldkordel ging es munter weiter…
Mein Mann Georg und sein Bruder Christoph sind Anfang der 90er-Jahre in die Firma eingetreten. 1993 kam mit der Wellendorff-Kaltemaille Farbe in die Kollektionen; sie schmückt auch unsere drehbaren Ringe – erst die Präzision im Hundertstelmillimeterbereich mit der die vier Ringelemente aufeinanderpassen, lässt sie gleiten. Das „Federnde Gold“ 2021 und viele andere technische Patente haben unseren Ruf gefestigt.
Sie sind weltweit präsent, genießen in Asien Kultstatus…
In Japan bereits seit 50 Jahren. Mein Schwiegervater Hanspeter knüpfte in den 1960er-Jahren erste Kontakte, als sich der Luxusmarkt dort gerade öffnete. Bei einer Ausstellung traf er ein Prinzenpaar, mittlerweile tragen drei Generationen des japanischen Kaiserhauses Wellendorff-Schmuck. Viele asiatische Kunden, insbesondere Japaner, teilen unsere Liebe zur Ingenieurs- und Handwerkskunst, zum Detail und zur Perfektion. Vielleicht kommt es nicht von ungefähr, dass
unser Repräsentant in China gleichzeitig auch Porsche vertritt.
Verraten Sie uns das Geheimnis, was lässt Ihr Gold federn?
Ein Stahlkern kam für uns nicht infrage, Experten aus der Materialwissenschaft hielten es für unmöglich, die physikalischen Grenzen von 18-karätigem Gold derart zu verschieben. Nach 17 Jahren Forschung, einigen Rückschlägen und harter Arbeit ist es uns schließlich doch gelungen. Das Geheimnis liegt in einer speziellen Legierung, einer präzisen Wärmebehandlung, genauem Druck und einer innovativen Verformungstechnik. Erst die perfekte Abstimmung all dieser Parameter lässt unser Gold, das übrigens in Pforzheim seit jeher recycelt wird, federn.
Eigentlich geht es immer um das Gefühl beim Tragen, nicht?
Genau. Einer unserer Kunden aus den USA nannte das einmal die „dritte Dimension“ im Schmuck. Mein persönlicher Anspruch beim Probetragen ist immer: Ist das Stück so bequem, dass ich am Abend vergessen könnte es abzulegen? Unsere Ringe sind innen gewölbt, auch bei einem sehr festen Händedruck drücken sie nicht. Die Brillanten sind so perfekt gefasst, dass sie selbst beim feinsten Kaschmirpullover keine Fäden ziehen. Unsere Ohrringe kippen nicht, sind stets perfekt zum Gesicht ausgerichtet und so leicht, dass man sie kaum spürt.
An welche Geschichte eines Kunden erinnern Sie sich besonders gern?
Vor Jahren bekam mein Mann eine verkohlte Kordel zugeschickt, begleitet von der Frage, ob sie noch zu retten sei. So etwas hatte er noch nie gesehen. Er erkundigte sich, was passiert war. Nach einigen Tagen erhielt er einen Brief auf Lettisch, mit deutscher Übersetzung. Die Kundin schilderte darin, dass ihr Haus mit all ihren Habseligkeiten abgebrannt war. Am nächsten Tag fand man ihren Wellendorff-Schmuck mit einem Schutzengelanhänger, nach über zwölf Stunden in den Flammen. Für sie ein Zeichen, dass Wunder geschehen können. Seitdem trägt jeder unserer Ringe innen eine kleine Schutzengelgravur.
Ist Ihr Schmuck in diesen Krisenzeiten auch Investment?
Mein Schwiegervater pflegte zu sagen: „Nur Gold ist Geld, alles andere ist Kredit.“ Gold hat aus unserer Sicht einen bleibenden Wert, weil es nicht unbegrenzt vermehrt werden kann, im Gegensatz zu Geld. Als Familienunternehmen stehen wir seit vier Generationen für Stabilität, Vertrauen und Sicherheit – jedes Stück trägt unseren Namen, dafür bürgen wir.