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Lesen ist wunderbar, in fremde Welten eintauchen, mitfühlen, mitfiebern, innere Bilder erschaffen, alles um sich herum vergessen. Sogar das aufleuchtende Handy. Warum lesen wir dann viel seltener, als wir eigentlich wollen? Das kann sich ändern. Schritt Nummer eins: Diesen Artikel lesen.
1. Wollen statt Müssen
Wie wäre es, wenn wir unsere guten Vorsätze nicht mehr als solche bezeichnen – sondern als Übungen? Wir üben jeden Tag das, was wir uns vorgenommen haben, umzusetzen. Und werden jeden Tag ein bisschen besser darin. Und wenn es an einem Tag mal nicht klappt, dann am nächsten. Wir üben ja noch. So ist das auch beim Lesen. Wir nehmen uns nicht krampfhaft vor, ab sofort zwei Bücher im Monat zu schaffen, sondern nutzen einfach die Gelegenheiten, das Lesen einzuüben.
2. Immer ein Buch dabei
Dabei hilft es, auch die kleinen Auszeiten wie U-Bahn-Fahren oder Warten mit einem Buch – oder einem E-Book-Reader überbrücken. Es eignet sich jedes Buch, vor allem aber Gedichtbände und die Minuten-Essays von Katharina Hacker: „Darf ich dir das Sie anbieten?“
3. Runter vom hohen Ross
Im Fernsehen haben wir wenig Hemmung, uns Kitsch („Bridgerton“, seufz) und Trash (es wird eine zweite Staffel von "Love is Blind Germany" geben!) hinzugeben. Aber bei Büchern muss es gleich „Die Buddenbrooks“ sein (jaja, Thomas Mann wäre dieses Jahr 150 geworden – na und?). Ein Schlüssel zu mehr Lesevergnügen liegt darin, herauszufinden, was ich wirklich gerne lese. Und wenn das nicht die buchpreisnominierte hohe Literatur ist, ist das völlig ok. Wenn wir erst einmal im Lesefluss sind, können wir der immer noch eine Chance geben. Also versuchen wir es mal mit Genre-Literatur, z.B.
Historische Romane wie „Das Geheimnis der Glasmacherin“ von Tracy Chevalier, das im Venedig des 15. Jahrhunderts spielt; „Herrliche Zeiten. Die Himmelsstürmer“ von Peter Prange über die unbeschwerte Zeit vor dem Ersten Weltkrieg; oder praktisch alles von Isabel Allende
Krimis und Thriller wie „Der längste Schlaf“ von Melanie Raabe, „Du kennst sie“ von Meagan Jennett oder einer der zig Regionalkrimis aus einer Region, die wir besonders mögen (z.B. Die Kommissar Dupin-Reihe von Jean-Luc Bannalec)
Comedy wie „Romantic Comedy“ von Curtis Sittenfeld; die Känguru-Chroniken oder die „Achtsam Morden“-Reihe von Karsten Dusse, die Krimi und Comedy verbindet
Biografische Romane wie „Inge Feltrinelli“ von Marco Meier über das schillernde frühe Leben der bekannten Verlegerin oder „Die Schreiberin" von Birgit Herold – gleichzeitig ein historischer Roman
Fantasy wie die extrem erfolgreiche Flammengeküsst-Reihe von Rebecca Yarros
4. Sich mit Büchern beschäftigen
Je mehr wir uns mit dem Lesen und Büchern beschäftigen, desto mehr Lust haben wir, tatsächlich zu lesen. Und desto eher wissen wir, was wir eigentlich lesen wollen. Als erstes marschieren wir in den nächsten Buchladen (oder den übernächsten, falls uns der erste nicht zusagt), stöbern und lassen uns von der Buchhändler*in beraten. Auf Flohmärkten schauen wir nicht mehr nur nach Fashion, sondern durchwühlen die Bücherkisten. Auch Podcast und Soziale Medien bieten tollen Input. Hier ein paar Tipps:
Instagram:
Die österreichische Autorin und Feministin Mareike Fallwickl (deren eigene Bücher sehr empfehlenswert sind) empfiehlt und analysiert auf ihrem Account the_zuckergoscherl immer wieder Bücher, vornehmlich von Autorinnen.
Ebenfalls feministisch ist die Buchauswahl von Nicole Seifert unter nachtundtag.blog.
Der Buchhändler Florian Valerius ist unter literarischernerd zu finden.
Die Accounts ice-cream-books und james-trevino setzen auf Optik und inszenieren die Bücher sehr ansehnlich.
Podcasts:
„Was liest du gerade?“ von Die Zeit präsentiert Belletristik und Sachbücher im zweiwöchentlichen Wechsel.
Der WDR hat mit „Zwei Seiten“ einen guten Bücher-Podcast.
In „Buch-Lounge“ reist Moderatorin Mona Ameziane durch die Literaturhäuser Deutschlands und spricht mit Autor*innen.
In „Feminist Shelf Control" referieren Annika Brockschmidt und Rebekka Endler klug und sehr unterhaltsam über Romance Novels und andere popkulturelle Phänomene.
5. Feste Zeiten etablieren
Feste Zeiten helfen und wecken die Vorfreude. Jeden Dienstag- und Donnerstagabend ist Lesezeit zum Beispiel. Am leichtesten fällt es, wenn wir Bildschirmzeit gegen Buch-Zeit eintauschen – und das Handy in den Flugmodus setzen oder in ein anderes Zimmer legen.
6. Sich anstecken lassen
Viele Bücher und Filme handeln von der Macht der Bücher und der Liebe zur Literatur. Sie sind eine wunderbare Inspiration, die Lust auf mehr macht. Hier eine kleine Liste:
Romane über Bücher
Kerri Maher erzählt in „Die Buchhändlerin von Paris“ (Insel) die Geschichte der Amerikanerin Sylvia Beach, die 1919 den inzwischen berühmten Buchladen „Shakespeare & Company“ in Paris gründete, der ein literarischer Treffpunkt wurde für Größen wie Hemingway, Gide, Valéry und Gertrude Stein
„Frau Komachi empfiehlt ein Buch“ von Michiko Aoyama (rororo)
Wolf Haas erzählt in „Wackelkontakt“ ein unterhaltsam-kluges Verwirrspiel, in dem ein Mann, der auf einen Klempner wartet, ein Buch über einen Mafioso in einem Gefängnis liest, während ein Mafioso in einem Gefängnis ein Buch über einen Mann liest, der auf einen Klempner wartet…
Sachbücher über Bücher
„Magie des Lesens“ sammelt Geschichten von berühmten Autoren wie Siegfried Lenz, Rainer Maria Rilke, Virginia Woolf und Johan Wolfgang von Goethe.
„Ein Garten voller Bücher. Mein toskanisches Märchen“ von Alba Donati erzählt von einem wunderbaren Dorfbuchladen in Italien.
In „Frauen Literatur“ bürstet Nicole Seifert den Bücher-Kanon gegen den Strich und entreißt viele wunderbare Autorinnen der Vergessenheit
Filme über Bücher
„Der Buchladen der Florence Green“ mit Emily Mortimer
„Kill Your Darlings“ mit Daniel Radcliff über die Beat-Autoren
„Die Bücherdiebin“ über die Kraft der Bücher im Angesicht des größten Schreckens, dem Dritten Reich
7. Gleichgesinnte suchen
Wie beim Sport brauchen wir auch beim Lesen Motivatoren, die uns dranbleiben lassen. Das kann der informelle Buchkreis mit den besten Freundinnen sein, der Buchclub in der lokalen Bibliothek.
8. Bücher als sinnliches Ereignis
Nicht gegen E-Reader, sie können extrem praktisch sein. Aber Bücher sind auch ein sinnliches Erlebnis. Wie schön es sein kann, Bücher zu haptisch zu erfahren, haben wir schon im Buchladen und auf dem Flohmarkt gelernt. Als nächstes entstauben wir das eigene Bücheregal, sortieren es neu und richten uns eine gemütliche Leseecke ein mit bequemem Sessel, angenehmer Beleuchtung und kuscheliger Decke. Auf unseren Coffee Table legen wir den passenden Bildband. Hier eine kleine Auswahl (die sich übrigens auch hervorragend als Geschenke eignet):
- „Do you read me? Besondere Buchläden und ihre Geschichten", gestalten
- „Bibliotheken“ von Schirmer/Mosel
- „Massimo Listri. The World's Most Beautiful Libaries“, Taschen
9. Aufhören zu lesen
Klingt paradox, aber wer mit dem Lesen anfangen will, muss auch lernen, damit aufzuhören. Wenn uns ein Buch nach 100 Seiten oder spätestens der Hälfte immer noch nicht gefällt: weg damit. Durchhalten ist keine Tugend, sondern Zeitverschwendung. Jedes Jahr erscheinen über 60.000 neue Bücher allein in Deutschland. Da ist auf jeden Fall das richtige dabei.