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Bücher von Frauen haben Erfahrungen sichtbar gemacht, die lange überhört wurden, neue Denkweisen angestoßen und gesellschaftliche Debatten geprägt. Von literarischen Klassikern bis zu zeitgenössischen Essays eröffnen sie Räume für Empathie, Widerspruch und Erkenntnis und fordern uns heraus, Gewohntes neu zu betrachten.
Unsere Redaktion stellt ihre persönlichen Favoriten vor: Bücher, die sie nachhaltig beeindruckt, inspiriert oder bestärkt haben. Texte, die nachhallen, weil sie mutig erzählen, unbequeme Fragen stellen oder Worte für das finden, was zuvor namenlos schien.
„Über Frauen“ von Susan Sontag
„Keine Frage, Schönheit ist eine Form von Macht. [...] Beklagenswert ist jedoch die Tatsache, dass es die einzige Form von Macht ist, nach der zu streben Frauen ermuntert werden. Diese Macht definiert sich immer im Verhältnis zu den Männern: Es ist nicht die Macht, zu tun, sondern die Macht, Anziehung auszuüben. Es ist eine Macht, die sich selbst negiert.“ Es sind Zitate wie diese, die mich das Essayband „Über Frauen“ von Susan Sontag nicht aus der Hand legen lassen. Ihre Texte und Gedanken wirken nach, bleiben im Kopf.
Denn wenn Sontag über das Leben von Frauen schreibt, wirkt das erstaunlich zeitlos. Der Essayband versammelt zentrale Texte, in denen sie politische, ökonomische und ästhetische Dimensionen des Frauseins beleuchtet und dabei zeigt, wie tief bestimmte Vorstellungen über Frauen in unserer Gesellschaft verankert sind – und wie sehr sie unser Denken beeinflussen, oft ohne, dass wir es merken. Dabei analysiert und hinterfragt sie gesellschaftliche Rollenbilder, Machtstrukturen und die Art, wie über Frauen gesprochen und gedacht wird, mit großer Klarheit und ohne Schonung. Trotzdem schreibt sie nicht trocken oder belehrend, sondern so, dass man beim Lesen immer wieder innerlich nickt oder innehält. Gerade deshalb ist das Buch nicht nur ein Stück feministischer Geistesgeschichte, sondern auch ein Werkzeug, um die eigene Position in einer nach wie vor ungleichen Welt besser zu verstehen. Ein Buch, das ich am liebsten jeder Frau in die Hand drücken würde.
– Meryem Sener, Digital Editor
„Ungezähmt“ von Glennon Doyle
Es gibt Bücher, von denen man wenig erwartet. Noch ein Empowerment-Memoir, noch eine Befreiungsgeschichte - klug erzählt, sicher inspirierend, aber vermutlich vorhersehbar. Was ich nicht erwartet hatte: dass ich am liebsten jeden zweiten Satz mit Leuchtmarker markiert hätte. Nicht, weil er gefällig oder zitierfähig war, sondern weil er mich an Stellen traf, an denen ich mich selbst ertappt fühlte.
„We can do hard things.“ Drei Worte, von beinahe nüchterner Schlichtheit und doch von enormer Tragweite. Doyle formuliert hier kein Versprechen von Leichtigkeit, sondern eine Zumutung. Das Leben wird nicht einfacher, nur weil wir beginnen, uns selbst treu zu sein. Es wird oft komplizierter. Wahrhaftiger. Unbequemer. Aber genau darin liegt die Kraft. Dieser Satz hat meine Perspektive verschoben: Schwierigkeit ist kein Warnsignal, sondern häufig ein Indiz dafür, dass wir uns aus alten Mustern herausbewegen. Und Wachstum weh tut.
Doyle seziert im Buch kollektives weibliches Erbe: das Bravsein, das Funktionieren, das subtile Streben nach Anerkennung. Nicht laut, nicht rebellisch um jeden Preis - sondern tief verinnerlicht. Das Gefallenwollen ist kein oberflächlicher Reflex, sondern ein kulturell eingeübtes Verhalten. Entscheidungen wirken vernünftig, diplomatisch, reif - und sind doch oft Kompromisse mit der eigenen Wahrheit. Entscheidungen entstehen oft nicht aus Überzeugung, sondern aus Sozialisation. Wie elegant wir uns selbst übergehen können.
Was schnell klar wird: Mut erscheint selten glamourös. Er zeigt sich in Gesprächen, die man lange aufgeschoben hat. In Entscheidungen, die nicht applaudiert werden. In Momenten, in denen man weiß: Das hier wird schwer - und ich wage es trotzdem.
We can do hard things. Vielleicht ist das die eleganteste, kompromissloseste Form weiblicher Selbstermächtigung.
– Jasmin Weinberger, Digital Director
„Was ich vom Leben gelernt habe“ von Oprah Winfrey
„Was ich sicher weiß, ist dies: Du bist nicht gebaut, um dich klein zu machen, sondern um zu mehr zu erblühen. Um prächtiger zu sein." Dieses Zitat habe ich mir knallgelb markiert und ich glaube, es trifft den Kern dieses Buches besser als jedes andere. Als ich „Was ich vom Leben gelernt habe" von Oprah Winfrey das erste Mal gelesen habe, befand ich mich in einer dieser typischen Zwischenphasen des Lebens: Ich schrieb gerade meine Bachelorarbeit und musste mich langsam aber sicher mit der Frage auseinandersetzen, wie es für mich eigentlich weitergehen soll. In genau diesem Moment kam dieses Buch in meine Hände, und ich glaube, es hätte keinen besseren Zeitpunkt geben können.
Beim Lesen hatte ich das Gefühl, mit einer weisen, alten Großmutter zu sprechen – einer Frau, die vieles erlebt hat, die Höhen und Tiefen kennt und genau die richtigen Worte findet, die man in diesem Moment braucht und hören möchte. Oprah Winfrey ist eine Frau, die wie kaum eine andere in Amerika für Emanzipation und Selbstermächtigung steht. Ihren Weg zum Erfolg hat sie sich hart erarbeitet und dass dieser Weg alles andere als geradlinig war und mit vielen Hürden und Rückschlägen verbunden ist, macht sie in diesem Buch ehrlich und ohne falsche Bescheidenheit deutlich. Genau darin liegt die Stärke dieses Buches: Es macht Mut. Besonders jungen Frauen, die sich selbst gerade an einem Scheideweg befinden, gibt es das Gefühl, dass Unsicherheit kein Hindernis ist, sondern der Anfang von etwas Größerem. Dass man nicht kleiner werden muss, um dazuzugehören. Sondern aufblühen darf.
Bis heute ertappe ich mich dabei, wie ich immer wieder zu diesem Buch greife, wenn eine Freundschaft auf die Probe gestellt wird, ein beruflicher Zweifel nagt oder das Herz eine Orientierung sucht. Oprah hat, ganz wie in ihrer legendären Sendung, stets das richtige Wort zur richtigen Zeit.
– Kristina Markert, Junior Social Media Managerin
Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren
Pipi Langstrumpf war meine erste Liebe und ist bis heute ein Vorbild. Als kleines Kind las mir meine Mutter die Bücher vor, ich durfte die Serie sehen, und die Gefühle, die Pipi in mir auslöste, waren komplex: Ich wollte bei ihr sein, mit ihr ihre Abenteuer erleben, gleichzeitig wollte ich sie sein. Eine meiner ersten Kindheitserinnerungen ist eine Szene auf einem Spielplatz, als ich ein rothaariges Mädchen für Pipi hielt, was mich zutiefst faszinierte. Fakt und Fiktion verschwammen noch zu einer Welt, Erlebtes und Erzähltes waren gleichwertig. Selbst ein Kind mit großem Freiheitsdrang und starkem Willen (andere Eltern hätten „trotzig“ und „schwierig“ gesagt – meine zum Glück nicht), habe ich mich in Pipi wiedererkannt. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie eigene Entscheidungen traf und den Erwachsenen gegenüber als gleichberechtigt auftrat, gab mir Selbstvertrauen. Heute habe ich selbst eine Tochter und Pipi hilft mir bei der Erziehung, dabei, sie als eigenständige Person mit eigenen Ideen und Vorstellungen zu akzeptieren.
– Lisa Goldmann, Ressortleitung Kultur