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Designerporträt: Wer war eigentlich Gianni Versace?

Designerporträt: Wer war eigentlich Gianni Versace? Designerporträt: Wer war eigentlich Gianni Versace?
Gianni Versace mit den Models Carla Bruni und Naomi Campbell. (Foto: Getty Images)

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Gianni Versaces Mode war eine Einladung zur Selbstinszenierung. Opulent, sinnlich, kompromisslos. Und immer ein wenig zu viel

Geboren 1946 in Reggio Calabria, beginnt Gianni Versaces Geschichte fernab der Modehauptstädte. Im Atelier seiner Mutter lernt er früh die Sprache der Stoffe und entwickelt ein Gefühl für Silhouette, Bewegung und Körper. Was ihn jedoch von Anfang an unterscheidet: sein Gespür für Dramaturgie. Als er Ende der 1970er-Jahre nach Mailand geht und 1978 sein eigenes Label gründet, bringt er genau diese Mischung mit: handwerkliche Präzision und eine fast filmische Vorstellung von Mode.

Mehr ist mehr

Während sich die Mode der 1980er-Jahre zwischen Minimalismus und Power Dressing bewegt, entscheidet sich Versace für eine dritte Richtung: Exzess. Seine Entwürfe feiern den Körper – nicht verhüllt, sondern betont. Haut wird zum Stilmittel, Dekor zur Botschaft. Goldene Ornamente, barocke Prints, Kettenmotive und Leder – Versace schafft eine Bildsprache, die sofort erkennbar ist. Das ikonische Medusa-Emblem steht dabei sinnbildlich für seine Welt: Verführung, Stärke, Mythos. Und doch wirkt seine Mode nie beliebig. Sie ist präzise komponiert, oft architektonisch gedacht – auch dann, wenn sie maximal wirkt.

Die Bühne gehört den Frauen

Versace entwirft für Frauen, die gesehen werden wollen. Und die sich nicht entschuldigen. Seine Muse ist selbstbewusst, sinnlich, unabhängig. Kleidung wird zur Haltung. Gleichzeitig erkennt er früh die Macht der Inszenierung. Seine Runway-Shows sind keine Präsentationen, sondern Ereignisse. Naomi Campbell, Cindy Crawford, Linda Evangelista – unter Versace werden Models zu Supermodels. Persönlichkeiten, die Mode tragen, statt von ihr getragen zu werden.

Drei Looks, die Modegeschichte schrieben

Hugh Grant und Elizabeth Hurley bei der After-Premiere-Party. (Foto: Getty Images)

Das Sicherheitsnadel-Kleid (1994): Schwarz, tief ausgeschnitten, zusammengehalten von überdimensionalen goldenen Sicherheitsnadeln: Als Elizabeth Hurley dieses Versace-Kleid zur Premiere von Four Weddings and a Funeral trägt, wird ein Red-Carpet-Moment zur Ikone. Der Look ist provokant, aber nie vulgär – vielmehr eine Studie über Spannung, Balance und Selbstbewusstsein. Ein Kleid, das weniger verhüllt als inszeniert.

Der Barock-Print bis heute: Versace Ready to Wear Spring/Summer 2018. (Foto: Getty Images)


Der Barock-Print-Zweiteiler (Frühe 90er): Goldene Ornamente auf schwarzem Grund, opulent und fast überladen – und doch perfekt ausbalanciert. Versaces Barock-Prints zitieren die italienische Kunstgeschichte und übersetzen sie in eine moderne, popkulturelle Ästhetik. Besonders als figurbetonter Zweiteiler getragen, entsteht ein Look, der gleichermaßen aristokratisch und rebellisch wirkt.

Kate Moss in einem silbernen Oroton-Cocktailkleid, 1999. (Foto: Getty Images)

Das „Oroton“-Kleid (1990er): Fließend wie flüssiges Metall, schimmernd bei jeder Bewegung: Versaces berühmte Oroton-Kleider bestehen aus feinsten Metallmesh-Strukturen. Sie schmiegen sich an den Körper wie eine zweite Haut und erzeugen eine fast hypnotische Wirkung. Ein Spiel aus Licht, Bewegung und Sinnlichkeit – technisch innovativ und visuell unverkennbar.

Kunst, Pop und Antike

Versaces Referenzen sind so vielfältig wie seine Entwürfe: antike Mythologie, Renaissance-Malerei, Popkultur der 1980er- und 90er-Jahre. Er denkt Mode nicht isoliert, sondern im Dialog mit Kunst, Musik und Film. Seine enge Verbindung zur Popkultur – von Elton John bis Madonna – verstärkt diesen Eindruck: Versace ist Teil eines größeren kulturellen Moments. Seine Mode wird zum Ausdruck einer Zeit, die laut, sichtbar und selbstbewusst ist.

Ein Bruch, der bleibt

1997 wird Gianni Versace vor seiner Villa in Miami ermordet. Ein Schock, der weit über die Modewelt hinausgeht. Sein Tod markiert das Ende einer Ära – und gleichzeitig den Beginn eines Mythos. Donatella Versace führt das Haus weiter, entwickelt die Codes ihres Bruders behutsam weiter. Doch die Essenz bleibt spürbar: die Lust am Glamour, die Feier des Körpers, das Spiel mit Macht und Verführung.

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