MADAME Newsletter - Erhalten Sie stilvolle Inspiration, exklusive Inhalte und Gewinnspiele, digital und kostenlos.
Jetzt zum Newsletter
anmelden
Unangenehm ist das, keine Frage. Man rutscht unversehens in die Rolle des Bittstellers – obwohl man doch eigentlich diejenige oder derjenige war, der geholfen hat. Ein Rollentausch, der sich falsch anfühlt. Persönlich kann ich kaum nachvollziehen, wie man einen geschuldeten Geldbetrag schlicht „vergessen“ kann. Mir jedenfalls brennen solche Dinge auf der Seele, wie ein offener Tab in einer Bar, den man beim Nachhausegehen nicht bezahlt hat.
Aber, nun ja: Es gibt solche Menschen. Und damit stellt sich die Frage nicht nach dem Ob, sondern nach dem Wie des Erinnerns.
Für mein eigenes Seelenheil habe ich mir eine pragmatische Grenze gesetzt: Beträge unter 50 Euro lasse ich inzwischen unter den Tisch fallen. Zu groß ist die Peinlichkeit auf beiden Seiten, zu unerquicklich der Moment, in dem man wegen eines Abendessens oder eines Taxibetrags nachhaken muss. Das ist ein Luxus, den man sich allerdings leisten können muss – emotional wie finanziell.
Bei größeren Summen rate ich zur Klarheit von Anfang an. Ein fester Rückgabemodus ist Gold wert: sofort per PayPal, Revolut oder Sofortüberweisung. Je weniger Zeit vergeht, desto geringer ist die Gefahr des Verschluderns – aus den Augen, aus dem Sinn. Und wenn das nicht möglich ist, weil das Geld schlicht nicht da ist (was ja meist der Grund fürs Leihen ist), hilft ein informeller schriftlicher Vertrag. Kein Drama, kein Notar: einfach festhalten, wann welcher Abschlag gezahlt wird. Schrift schafft Verbindlichkeit.
Wird eine Deadline dann „übersehen“, darf man nachhaken – freundlich, aber bestimmt. Per Mail oder WhatsApp reicht oft schon ein lakonisches: „Du hast da noch etwas vergessen …“ Der Ton macht die Musik, aber Schweigen hilft niemandem.
Und wer dann immer noch nicht zahlt, für den gilt frei nach Madeleine Albright:
„Es gibt einen besonderen Platz in der Hölle für Menschen, die anderen Menschen ihre Schulden nicht zurückzahlen.“
Man könnte auch weniger diplomatisch sein und sich an ein altes Sprichwort halten: „Geld verdirbt die Freundschaft.“ Vielleicht stimmt das nicht ganz. Aber unbezahlte Schulden tun es ganz sicher.