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Es gibt einen Vorsatz, den ich vor vielen Jahren mit großer Entschlossenheit gefasst habe: niemals damit anzufangen, aus jedem Urlaub ein Souvenir mitzubringen. Wer so oft unterwegs ist wie ich, weiß, warum. Die Logik ist unerbittlich – wer einmal beginnt, bringt von da an aus jeder Reise etwas mit, und am Ende lebt man in einer Wohnung, die eher einem Kuriositätenkabinett gleicht als einem Zuhause. Also beschloss ich: keine Mitbringsel. Aus Prinzip.
Sie ahnen, worauf das hinausläuft. Der Vorsatz hat keinen einzigen Urlaub überlebt. Denn irgendwo zwischen Abreise und Heimkehr findet sich immer etwas – etwas Schönes, etwas, das nach genau diesem Ort schmeckt, riecht oder aussieht. Und so stehe ich heute, leicht beschämt und doch zufrieden, vor dem Eingeständnis: Ich bin eine notorische Mitbringerin. Die eigentliche Frage ist also nicht, ob man etwas mitbringen muss – sondern was, für wen, und wann es aufhört, ein Geschenk zu sein, und anfängt, eine Pflichtübung zu werden.
Die Pflicht, die keine sein sollte
Beginnen wir mit dem Missverständnis. Ein Mitbringsel ist kein Tribut, den man bei Wiedereintritt in den Alltag zu entrichten hat. Niemand schuldet seinen Kollegen einen Kühlschrankmagneten, nur weil er das Glück hatte, eine Woche am Meer zu verbringen. Das Souvenir aus Pflichtgefühl – hektisch am letzten Tag im überteuerten Flughafenshop erstanden – ist die traurigste aller Gattungen. Es macht weder dem Schenkenden noch dem Beschenkten Freude. Man spürt ihm die Verlegenheit an.
Die gute Nachricht: Man muss nicht. Ein Mitbringsel ist eine Geste, kein Soll. Und Gesten verlieren ihren Zauber in dem Moment, in dem sie zur Verpflichtung werden. Wer aus Angst vor dem schlechten Gewissen schenkt, schenkt schlecht.
Warum ich es trotzdem tue
Und doch. Es gibt einen Grund, warum ich meinem eigenen Vorsatz immer wieder untreu werde – und er hat nichts mit Pflicht zu tun, sondern mit Erinnerung. Ein gut gewähltes Souvenir ist ein kleiner Anker. Es verbindet einen Gegenstand untrennbar mit einem Ort, einem Licht, einem Moment. Jahre später nimmt man es in die Hand, und der ganze Sommer kehrt zurück.
Meine eigene kleine Landkarte des Reisens lässt sich an Dingen ablesen. Die Capri-Sandalen, beim Schuhmacher in einer der schmalen Gassen maßgefertigt, während man wartet – ich trage sie, und sofort höre ich das Meer. Die handbemalte Keramik aus Marokko, deren Blau an keine andere Farbe der Welt erinnert. Der Tee aus Japan, sorgfältig in seiner Dose, der jeden Morgen ein wenig nach Kyoto schmeckt. Ein neues, noch unbekanntes Label aus New York, lange bevor es in Europa jeder trägt. Und die Beachwear aus jenen winzigen Hotel-Shops, in denen man die schönsten Stücke findet, die es nirgendwo sonst gibt. Nichts davon habe ich gebraucht. Alles davon macht Freude. Genau das ist der Punkt.
Die Kunst, das Richtige zu finden
Wenn man schon mitbringt, dann mit Bedacht. Das schönste Souvenir ist selten das offensichtlichste. Es ist nicht der Eiffelturm aus Plastik (obwohl auch die schrägen, blinkenden Exemplare gerade wegen ihres Kitsch-Faktors cool sein können), sondern das, was den Charakter eines Ortes in sich trägt – etwas Handgemachtes, etwas Typisches, etwas, das man so nur dort bekommt. Ein paar Grundsätze haben sich für mich über die Jahre bewährt:
• Das Lokale schlägt das Generische. Keramik vom Markt, nicht das Massenprodukt aus der Souvenir-Straße. Was Handschrift hat, hält länger als jede Erinnerung an ein Kaufhaus.
• Das Brauchbare schlägt das Staubfängerische. Ein Tee, ein Olivenöl, ein Parfum, ein Paar Sandalen – Dinge, die man benutzt, leben weiter. Dinge, die nur herumstehen, werden zur Last.
• Das Persönliche schlägt das Beliebige. Wer für jemanden etwas mitbringt, sollte an diesen Menschen denken, nicht an den Ort. Das beste Mitbringsel sagt: „Ich habe an dich gedacht“, nicht: „Ich war im Urlaub“.
Der feine Unterschied
Muss man also aus jedem Urlaub etwas mitbringen? Nein. Man muss gar nichts. Aber man darf – und wenn man es tut, dann nicht aus Pflicht, sondern aus Freude. Das Souvenir, das zählt, ist nie das, das man kaufen musste, sondern das, das man finden durfte. Es ist kein Beweis dafür, dass man verreist war. Es ist ein kleines Stück eines Ortes, das man nach Hause trägt, weil man es nicht zurücklassen wollte.
Und vielleicht liegt genau darin der feine Unterschied: Das schlechte Souvenir erinnert an eine Verpflichtung. Das gute erinnert an das Leben.