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Wow – was für eine Frage an die Generation X, also an mich. Meine gesamte Kindheit und Jugend war von Festnetztelefonen ohne sichtbare Nummernanzeige geprägt. Was für ein Abenteuer! Nie wusste man, ob Tante oder Oma am Apparat sein würden – und ob sie vielleicht etwas zu viel Zeit mitgebracht hatten.
Männer telefonierten ja ohnehin nie gern. Also klebte man mitunter ziemlich lange am Hörer, bevor man ihn endlich an die Mutter weiterreichen konnte. Stundenlange Telefoniererei mit der besten Freundin, die gerade mal drei Häuser weiter wohnte? Klar. Sehr zum Ärger meines Vaters („Du blockierst die Leitung!“). Nervige Call Center-Anrufe? Sowas gab es damals nicht, in den 70er und 80er Jahren.
Heute wandert jede Nummer, die ich nicht eingespeichert habe, direkt auf die Mailbox. Das Smartphone würde eh den ganzen Tag piepsen, läuten, summen, wenn ich nicht längst alle Klingel- und Vibrationsgeräusche abgestellt hätte. Mein Mann freut sich so gar nicht, wenn er mich mal wieder nicht erreichen kann, obwohl ich doch den ganzen Tag das Telefon neben mir liegen habe. Er unterstellt Mutwilligkeit.
Tja, kann man also einfach so jemanden anrufen? Ich denke, die Hemmschwelle liegt ziemlich hoch heute. Meistens kündigt man einen Anruf an, macht einen Termin im Outlook-Kalender oder schickt eine WhatsApp vorab. Denn es geht spontan ja auch fast niemand mehr ans Telefon (s.o.).
Das liegt natürlich auch daran, dass wir unser Telefon ständig bei uns haben – in all den Situationen, in denen wir gerade wirklich nicht sprechen können: kurz vor dem Start im Flugzeug, auf dem Weg ins Bad oder mitten in der wöchentlichen Konferenz im Büro. Insofern ergibt es durchaus Sinn, Anrufe zu terminieren.
Und trotzdem freue ich mich, wenn vor allem meine Freundinnen spontan durchklingeln. Selbst, wenn ich in dem Moment nicht antworten kann – umso lieber rufe ich zurück, sobald es geht.