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Ein jugendliches, frisches Aussehen und eine glatte Haut – das ist der Wunsch vieler Menschen. Geht es um effektive Methoden gegen Mimikfalten, fällt unweigerlich ein Name: Botox. Doch kaum ein Wirkstoff in der ästhetischen Medizin polarisiert so stark wie das neurotoxische Protein Botulinumtoxin. Während die einen in ihm das ultimative Anti-Aging-Wunder sehen, fürchten andere ein starres, maskenhaftes Gesicht oder gesundheitliche Risiken. Was ist dran an den Gerüchten rund um das vermeintliche „Faltengift“?
Wir haben bei einer Expertin nachgefragt. Dr. med. Isabell Sick ist erfahrene Fachärztin für Dermatologie und Venerologie und leitet die renommierte Praxis „ISARDERMA – Zentrum für Dermatologie und Ästhetik“ im Herzen von München. Im Interview räumt Dr. Sick mit den fünf hartnäckigsten Botox-Mythen auf, erklärt die biologische Wirkweise im Körper und verrät, woran Patient*innen eine seriöse Behandlung und qualifizierte Behandler*innen erkennen können.
Mythos 1: „Botox füllt Falten auf.“ – Was genau ist Botox eigentlich, und wie wirkt es im Körper?
Dr. Isabell Sick: Das stimmt so nicht: Botox füllt keine Falten auf. Botox wird vielmehr in der mimischen Muskulatur eingesetzt. Es glättet mimische Falten, indem die zugrunde liegende Muskulatur – zum Beispiel bei Stirnfalten, der Zornesfalte oder den Krähenfüßen, also den seitlichen Augenfalten – durch Botulinumtoxin gezielt geschwächt wird. Dadurch können die Muskeln nicht mehr so kräftig arbeiten, und die mimischen Falten werden sichtbar geglättet. Im Detail funktioniert das so, dass die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel vorübergehend unterbrochen wird, da das Botulinumtoxin die Freisetzung eines Botenstoffes, nämlich Acetylcholin, für eine gewisse Zeit hemmt.
Mythos 2: „Botox macht das Gesicht maskenhaft und unnatürlich.“ – stimmt das oder liegt das an falscher Anwendung?
Dr. Isabell Sick: Botox führt dabei nicht automatisch zu einem maskenhaften oder unnatürlichen Gesichtsausdruck – das ist immer eine Frage der richtigen Dosierung und der Erfahrung des Behandlers. Man kann auch sehr schöne Ergebnisse erzielen, die natürlich ausschauen – es liegt also an falscher und übertriebener Anwendung, wenn das Gesicht unnatürlich wirkt.
Mythos 3: „Botox ist nur etwas für ältere Menschen.“ – Das glauben viele. Ab welchem Alter ist eine Behandlung tatsächlich sinnvoll?
Dr. Isabell Sick: Das stimmt so nicht. Tatsächlich kann man, abhängig vom individuellen Befund, auch bereits in den Zwanzigern mit Botulinumtoxin arbeiten. In diesem Fall wirkt es vor allem vorsorglich, also prophylaktisch. Denn eine Falte, die wir gar nicht erst ständig ausbilden, kann sich langfristig auch nicht in die Haut eingraben.
Mythos 4: „Botox ist giftig und grundsätzlich gefährlich.“ – Ist Botox gefährlich oder gesundheitsschädlich? Welche Risiken gibt es wirklich?
Dr. Isabell Sick: Botox selbst ist nicht grundsätzlich giftig oder gefährlich. Botulinumtoxin ist ein Medikament, das in der ästhetischen Medizin in sehr stark verdünnter Form eingesetzt wird. Die dabei verwendeten Dosierungen sind für den Körper in der Regel unbedenklich. Voraussetzung ist jedoch immer eine fachgerechte Anwendung durch einen qualifizierten Facharzt.
Mythos 5: „Wer einmal mit Botox anfängt, muss es für immer machen.“ – Wie lange hält die Wirkung tatsächlich an – und wovon hängt die Dauer ab?
Dr. Isabell Sick: Das stimmt so nicht. Ob und wie oft eine Behandlung wiederholt wird, ist immer eine individuelle Entscheidung. Es kann natürlich sein, dass einem die Ergebnisse so gut gefallen, dass man sie langfristig erhalten möchte und sich deshalb für weitere Behandlungen entscheidet. Die Wirkung von Botulinumtoxin hält in der Regel etwa vier bis fünf Monate an. Danach ist die Wirkung vollständig abgebaut – so ist es auch in der Packungsbeilage angegeben.
Die genaue Dauer hängt jedoch von der behandelten Region ab: Quere Stirnfalten und seitliche Augenfalten halten meist etwas kürzer an, während die Zornesfalte oft etwa fünf Monate sichtbar verbessert bleibt. Wichtig ist auch: Die Wirkung verschwindet nicht schlagartig.
Stattdessen baut sich das Botulinumtoxin nach und nach ab, die Wirkung lässt langsam nach und die natürliche Beweglichkeit kehrt schrittweise zurück. Darüber hinaus ist die Haltbarkeit individuell unterschiedlich und hängt unter anderem vom eigenen Stoffwechsel ab. Menschen, die sehr sportlich sind und einen aktiven Stoffwechsel haben, bauen Botulinumtoxin in der Regel schneller ab als Menschen mit einem eher langsameren Stoffwechsel.
Woran erkennt man eine seriöse Behandlung und qualifizierte Behandler*innen?
Dr. Isabell Sick: Ich würde empfehlen, dass man sich für Behandlungen an einen qualifizierten Facharzt wendet – also entweder an einen Dermatologen oder einen plastischen Chirurgen. Diese beiden Fachrichtungen verfügen per se über die größte Erfahrung mit Haut, Unterhaut, Muskulatur und den anatomischen Strukturen im Gesicht. Dabei sollte man besonders darauf achten, dass es sich tatsächlich um eine Facharztbezeichnung handelt. Bezeichnungen wie „Spezialist für ästhetische Medizin“ oder Ähnliches sind keine geschützten Titel, sondern Fantasiebezeichnungen, die keine Aussagekraft über Qualifikation oder Erfahrung besitzen.
Eine weitere Möglichkeit, qualifizierte Behandler zu finden, ist die Deutsche Gesellschaft für Botulinumtoxin (DGBT). Diese Fachgesellschaft bietet auch Patienten Informationen und die Möglichkeit, nach zertifizierten Behandlern zu suchen. Ganz entscheidend ist zudem das eigene Bauchgefühl: Wenn man während einer Beratung den Eindruck hat, dass etwas nicht stimmt, dass man zu etwas gedrängt wird oder nicht ergebnisoffen beraten wird, sollte man vorsichtig sein. Ebenso sollte man bei vermeintlich zu günstigen Angeboten skeptisch sein – etwa Dumpingpreise, Coupons oder Aktionen wie „Bring' noch eine Freundin, dann zahlt ihr die Hälfte“. Solche Angebote sind in der Regel nicht seriös.
Die Wertigkeit eines Termins zeigt sich auch im Preis: Ein erfahrener Experte berechnet ein Honorar, das seine Expertise widerspiegelt. Eine Fillerbehandlung für 150 oder 200 Euro ist unrealistisch und unseriös, da bei solchen Preisen meist kein zertifiziertes Material verwendet wird. Niedrige Preise deuten daher oft auf mangelnde Qualität und fehlende Professionalität hin.