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Kuratiert aus Ausgabe Januar/Februar 2026
Nach meiner Erfahrung ist das eine sehr individuelle Entscheidung. Am besten bespricht man seine Wünsche und Bedürfnisse offen mit dem Partner, damit es keine Missverständnisse gibt. Manche Frauen fühlen sich verstanden und unterstützt, wenn er mitkommt. Andere empfinden die Anwesenheit des Mannes als Bevormundung und gehen lieber allein. Am liebsten und häufigsten sind die Männer dabei, wenn das Wunschkind unterwegs ist und die erste größere Ultraschalluntersuchung im dritten Monat ansteht. Das ist ein wunderschönes und prägendes Paarerlebnis, das sich die meisten werdenden Eltern nicht entgehen lassen.
Und was ist mit der Entbindung? Heutzutage sind mehr als 80 Prozent der Männer bei der Geburt dabei. Eine Studie aus Deutschland zeigt, dass sich dies in 70 bis 80 Prozent der Fälle positiv auf die Eltern und das Baby auswirkt und darüber hinaus auch die Beziehung stärkt. Für 20 bis 30 Prozent der Männer ist die Anwesenheit bei der Entbindung jedoch mit negativen Emotionen verknüpft. Sie fühlen sich hilflos und überfordert. Knapp zehn Prozent fühlen sich sogar seelisch traumatisiert. Körperliche Traumatisierung im Kreißsaal habe ich zwar sehr selten, aber auch schon erlebt: Bei jeder Wehe wurde er blasser, und als dann noch die blutigen Laken in sein Gesichtsfeld gelangten, kollabierte er und zog sich eine blutende Wunde am Kopf zu, die ich dann nach der Geburt seines Sohnes nähen musste. In anderen Kulturen sehen die Väter die Mutter mit Kind im Arm erst, wenn alles erledigt ist, dafür unterstützen Mütter, Schwestern und Tanten die Schwangere. Was ist besser? Hier gibt es kein Richtig oder Falsch – beide Modelle haben ihr Für und Wider.
Es gibt allerdings Situationen, in denen es eindeutig von Vorteil ist, wenn der Partner mitkommt. Nämlich dann, wenn es sich um ernsthafte Erkrankungen handelt. Bei einer Krebsdiagnose werden etwa nur ein Drittel bis die Hälfte der Inhalte von den Patientinnen korrekt gemerkt. Je belastender die Nachricht, desto weniger bleibt hängen. Hinzu kommt, dass negative Botschaften, wie „bösartige Erkrankung“ stärker erinnert werden als neutrale Informationen wie Therapieablauf oder Heilungschancen. Der Schock über die Diagnose löst große Angst aus, was unser Gehirn extrem stresst und die Aufnahmefähigkeit limitiert. In solchen Situationen empfehle ich meinen Patientinnen, immer den Partner oder eine Vertrauensperson mitzubringen. Denn vier Ohren hören mehr als zwei.