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Aufklärungsgespräch: Wann sollte ich als Mann zum Check-up?

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Foto: Getty Images

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Männer gehen ungern zum Arzt – und sterben unter
anderem darum im Schnitt fünf Jahre früher als Frauen. Was bei einem Check-up passiert, erklärt Internist Dr. Udo Beckenbauer

Manchmal findet man etwas, wonach man gar nicht gesucht hat“, erzählt Dr. Udo Beckenbauer, Internist und Leiter des CPM, Center for Preventive Medicine in München, als wir ihn zum Gespräch in seiner Praxis unweit der Bayerischen Staatsoper treffen. „Bei Herz-CTs sind das immer wieder Lungenkarzinome. Da man die Lunge präventiv kaum mehr untersucht, wären die sonst gar nicht aufgefallen. Denn viele Krankheiten machen erst mal gar keine Beschwerden. Ich hatte mal einen jungen Mann in der Praxis, der einen Marathon laufen wollte. Bei der Untersuchung haben wir festgestellt, dass er von oben bis unten krankhaft erweiterte Gefäße hatte, bis in die Beinarterien“, erzählt der Internist. „Zwei Jahre später ist er mit operierten Gefäßen Marathon gelaufen, unbehandelt wäre er dabei sonst vermutlich gestorben.“

Diabetes, Herzinfarkt und Darmkrebs? Ebenfalls Krankheiten, die durch regelmäßige Check-ups nicht immer verhindert, aber deutlich besser gesteuert und Komplikationen vermieden werden können. „Wir sind jetzt in einem neuen technischen Zeitalter mit neuer Diagnostik und neuen Behandlungsmethoden, oft werden die nur noch nicht genutzt“, so Beckenbauer. Minimale Veränderungen der Herzkranzgefäße etwa kann man auf einer Computertomografie (CT) des Herzens erkennen. „So kann man sie therapieren, sodass sie in der Regel zurückgehen und es gar nicht erst zum Herzinfarkt kommt“, erklärt der Arzt. „Bei über tausend Untersuchungen entdecken wir bei fast 30 Prozent der Patienten koronare Herzerkrankungen“, so Beckenbauer weiter, „das ist extrem viel und in diesem sehr frühen Stadium sicherlich unter anderem der neuen Diagnostik zu verdanken.“

Auch bei Prostatakrebs kann bereits im Anfangsstadium eingegriffen werden und nicht – wie in der Vergangenheit üblich – bei einem kleinen Prostatakarzinom erst einmal abgewartet und beobachtet werden: „Mit dem sogenannten Cyberknife kann man selbst die kleinsten Karzinomzellen millimetergenau entfernen“, sagt Dr. Beckenbauer, „dabei alle Funktionen erhalten und das Krankheitsbild so nicht nur diagnostizieren, sondern auch therapieren. Wobei man es natürlich weiterhin beobachten muss. Es gehört immer in urologische Fachbetreuung.“ Ähnliches gilt für Darmkrebs. Auch hier lassen sich dessen Vorstufen, gutartige Polypen in der Darmschleimhaut, bei einer Darmspiegelung finden und im gleichen Schritt entfernen, sodass daraus erst gar keine bösartigen Tumoren entstehen.

Gleichzeitig muss der Arzt bei einem Check-up die einzelnen Untersuchungsergebnisse in Zu­sammenhang bringen. „Sie können 1-A-Schilddrüsenwerte haben und trotzdem Krebs in der Schilddrüse“, erklärt der Präventivmediziner. Man müsse deshalb einerseits die Funktionalität eines Organs prüfen, das sind zum Beispiel bei der Schilddrüse die Hormone, genauso aber auch die Struktur des Organs mit Ultraschall anschauen. „Es geht immer um das Gesamtbild.“

Der erste Schritt jedoch sei, bei den Patienten ein stärkeres Bewusstsein für ihre Selbstverantwortung zu schaffen, denn die meisten gehen zu selbstverständlich mit ihrer Gesundheit um. Die Präventivmedizin richtet sich größtenteils an gesunde Menschen – und solche, die sich dafür halten. Routinemäßige Standard-Checks empfiehlt der Arzt ab etwa 40 Jahren – die Zeitabstände können je nach individuellen Risiken und Bedürfnissen natürlich variieren. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Check-ups. Eine mögliche Kostenübernahme kann mit der jeweiligen Versicherung besprochen werden.

1. Blut und Urin

Was wird untersucht? Bei einer Laboruntersuchung des Blutes bestimmt man den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel, um etwa Diabetes und Arteriosklerose frühzeitig zu erkennen. Vitamin- und Mineraliengehalt geben Aufschluss über Mängel, sehr häufig ist zum Beispiel ein Vitamin-D-Mangel, der zu Knochen- und Muskelschmerzen und zu Müdigkeit führen kann. Außerdem gehört die Analyse der roten und weißen Blutkörperchen, der Entzündungswerte und der Schilddrüsenhormone dazu. Weitere sinnvolle Analysen: Bauchspeicheldrüsen-, Leber- und Nierenwerte sowie Tumormarker, die auf verschiedene Krebserkrankungen hinweisen. Zusätzlich kann man den Impfschutz überprüfen. Eine Urinuntersuchung gibt Hinweise auf Erkrankungen von Nieren, Harnwegen, Leber und auf Diabetes.


Wer & wie oft? Laboruntersuchungen von Blut und Urin sind alle zwei bis drei Jahre sinnvoll – zusammen mit den technischen Untersuchungen, wie EKG und Ultraschall, denn allein seien sie nur bedingt aussagekräftig, so Dr. Beckenbauer.

2. Organe und Gefäße

Was wird untersucht? Die Schilddrüse, Nieren, Leber, Magen, Gallenblase, Milz und Bauchspeicheldrüse, aber auch Herz und Gefäße werden mit Ultraschall sichtbar gemacht, um frühzeitig Veränderungen bis hin zu Krebs zu erkennen. Auch Aneurysmen, also Gefäßerweiterungen, etwa der Halsschlagader oder der Bauchaorta, kann man mit der sogenannten Sonografie erkennen. Diese machen sich nicht durch Schmerzen bemerkbar, müssen aber ab einer bestimmten Größe operiert werden.


Wer & wie oft? Es wird die vorsorgliche Untersuchung der Bauchorgane und anderer großer Gefäße zwischen 40 und 50 Jahren empfohlen, dann etwa alle zwei Jahre – ab 60 Jahren sogar häufiger, denn dann können Veränderungen schneller auftreten.

3. Herz

Was wird untersucht? Ein Ruhe-EKG (Elektrokardiogramm) misst die Herzströme, dazu gehört auch ein Belastungs-EKG, dient zur Diagnostik von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und kardialer Leistungsfähigkeit, für die koronare Herzerkrankung ist es aus heutiger Sicht zu spät. Ein Herz-CT (Computertomografie) erstellt mittels Röntgenstrahlung unzählige Schnittbilder des Herzens und der umliegenden Gefäße, stellt sie anschließend dreidimensional dar und macht so eine schon beginnende Gefäßveränderung der Herzkranzgefäße sichtbar.

Wer & wie oft? Beide EKGs gehören, genauso wie eine einfache Blutdruckmessung, zu jedem Routine-Check dazu. Bei Bluthochdruck und Herzinfarkt spielt die genetische Vorbelastung eine große Rolle: Kommen beide häufiger in der Familie vor, ist das persönliche Risiko dafür erhöht. Dann ist ein Herz-CT ab einem Alter von 40 bis 50 Jahren alle vier bis fünf Jahre sinnvoll.

4. Magen und Darm

Was wird untersucht? Bei einer Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt, führt ein Arzt einen flexiblen Schlauch (Endoskop) durch den After in den Dickdarm ein. Mithilfe einer Kamera wird die Darmwand inspiziert, dabei können eventuelle Polypen entfernt und Gewebeproben zur weiteren Untersuchung entnommen werden. Eine Magenspiegelung (Gastroskopie) untersucht den oberen Verdauungstrakt. Hier wird das Endoskop über den Mund eingeführt. Beide Untersuchungen werde in einer Sedierung mit einem Beruhigungsmittel für den Patienten in angenehmer Form durchgeführt.


Wer & wie oft? Eine Darmspiegelung ist ab etwa 40 bis 50 Jahren sinnvoll. Da bei Darmkrebs die erbliche Vorbelastung eine große Rolle spielt, sollte man gegebenenfalls schon deutlich früher einen Check machen. Dr. Beckenbauer empfiehlt außerdem, die Kontrollen ungefähr alle fünf Jahre zu wiederholen. Eine Magenspiegelung ist vor allem für Risikogruppen empfehlenswert.

5. Prostata

Was wird untersucht? Zur Untersuchung der Prostata kommen mehrere Verfahren infrage. Ein erhöhter PSA-Wert (Prostataspezifisches Antigen) bei der Blutanalyse kann ein Hinweis auf Prostatakrebs, aber auch auf eine gutartige Vergrößerung oder eine Entzündung sein. Das lässt sich mithilfe von Tastuntersuchungen und bildgebenden Verfahren, wie Ultraschall und Magnetresonanztomografie (arbeitet im Gegensatz zum CT mit starken Magnetfeldern) genauer überprüfen.


Wer & wie oft? Ein MRT ist aussagekräftiger, aber auch deutlich aufwendiger als eine Tastuntersuchung, deshalb empfiehlt Dr. Beckenbauer ihn vor allem bei genetischer Vorbelastung für Prostatakrebs.

6. Weitere

Empfehlenswert: alle ein bis zwei Jahre Hautkrebsvorsorge beim Dermatologen, ein- bis zweimal jährlich die Vorsorge beim Zahnarzt und Kontrollen von Lungenfunktion und Bewegungsapparat.

Vorsorglich geheilt: Julius Mahr über einen Befund, der sein Leben veränderte

Es gibt Verhaltensmuster bei Männern, die man als typisch bezeichnen kann, ganz losgelöst von Einkommen, Herkunft, Religion und Alter oder von der Frage, ob man damit sein Schicksal herausfordert. Werden wir konkreter: Für den Mann ist es bis heute eine schwierige Übung, zum Arzt zu gehen, ganz zu schweigen von jährlichen Routine-Checks.

Klar, wenn wir mit 30 putzmunter sind, ist unsere Vorstellungskraft gering, dass das mit 60 Jahren anders sein könnte. Wer eine Partnerin hat, weiß, dass Frauen zumindest einmal im Jahr zu ihrer Frauenärztin gehen. Ich habe schon da­rüber nachgedacht, ob uns ein anderes Wording helfen würde: Man ginge dann also nicht zum Internisten oder Urologen, sondern zum Männerarzt. Noch „hilfreicher“ ist es allerdings, wenn ein 50-jähriger Bekannter an einem Herzinfarkt stirbt – obwohl er doch eigentlich topfit war – oder ein Mitte vierzigjähriger Kollege an Darmkrebs. Beide hatten nie regelmäßige Check-ups in ihre gut gefüllten Terminkalender eingetragen. Ich brauchte diese Weckrufe und die Teilnahme an einem Stiftungs-Event, auf dem es um Darmkrebsvorsorge ging. Ich lernte dort, dass die regelmäßige Vorsorge ein solches Ende fast ausschließen kann. Natürlich lungerte in meinem Kopf die Angst vor unangenehmen Vorbereitungen und womöglich Schmerzen bei der Untersuchung herum und der Tatsache, ich könnte mit einem „Befund“ wieder aufwachen. Aber mein Überlebenswille war stärker.

„Dank Früherkennung werde ich hoffentlich nicht zu denen gehören, die beim Tennisspielen tot umfallen.“


Heute kann ich stolz und smart verkünden, dass ich mehr als 30 Check-ups gut überstanden habe, einer davon war lebensrettend für mich, denn wenn die Experten und Expertinnen ihren Job ordentlich machen, kann das passieren, was man „Früherkennung“ nennt. In meinem Fall war das ein verengtes Herzkranz­gefäß. Der Kardiologe hatte dies entdeckt, nachdem mich mein Hausarzt an diesen überwiesen hatte, weil es Auffälligkeiten im Ultraschall gegeben hatte. Ich werde also hoffentlich nicht zu ­denen gehören, die beim Tennisspielen tot umfallen mit ­einem Herzinfarkt. Ich trage jetzt nämlich einen Stent in mir, der die Gefäße erweitert. Die OP war ein Klacks.

Ich habe festgestellt, dass diese „Erfolgs­story“ auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis fruchtet. Seither gehen einige mehr regelmäßig zur Vorsorge. Manchmal hilft auch ein Vergleich, um noch besser zu überzeugen: Würde man ein Auto mit abgelaufenem TÜV fahren? Oder noch besser: Wer wollte Passagier in einem Flugzeug sein, in dem der Pilot stolz vor dem Start verkündet, dass es seit zehn Jahren nicht mehr gewartet wurde?

Erkenntnisse aus den Check-ups sind ähnlich denen einer TÜV-Untersuchung. Im Regelfall ist nichts zu „reparieren“, aber im Einzelfall gibt es Maßnahmen, die anzuwenden sind. Man bekommt sein Übergewicht und seine Allergien schwarz auf weiß attestiert, kann den nicht vorhandenen Impfschutz nachbessern oder der Leber mal eine Alkoholpause gönnen. Wenn der Arzt ein ernstes Gesicht macht, ist der männliche Ehrgeiz oder die Vernunft hoffentlich geweckt.

Die gute Nachricht zum Schluss: Sie leben offensichtlich noch, weil Sie diese Zeilen bis hierhin lesen konnten – es ist also nicht zu spät, gleich morgen einen Vorsorgetermin aus­zumachen!

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